Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.06.2019


Kino

„Ramen Shop“: Eine Nudelsuppe, die sich gut anhören muss

Eric Khoo zelebriert in „Ramen Shop“ kulinarische Sensationen.

Ein Japaner in Singapur: Masato (Takumi Saitoh) findet bei chinesischen Verwandten alte Kochrezepte und die Liebe seines Lebens.

© FilmladenEin Japaner in Singapur: Masato (Takumi Saitoh) findet bei chinesischen Verwandten alte Kochrezepte und die Liebe seines Lebens.



Innsbruck – Kazuo (Tsuyoshi Ihara) zehrt mit seinem Suppen-Restaurant vom alten Ruhm, doch es sind längst sein Bruder Akio (Tetsuya Bessho) und sein Sohn Masato (Takumi Saitoh), die mit Nudel- und Hühnersuppen, Hummer-Pfannkuchen zum Tunken und scharfen Pfifferlingen das Publikum zum Schlürfen und Schmatzen bringen. Eigentlich ist Kazuos Küche ein trauriges Museum der Sinne, da er mit Gerüchen die Erinnerung an seine verstorbene Frau beschwört.

Als Kazuo an gebrochenem Herzen oder den Folgen seiner Trunksucht stirbt, erbt Masato die Kochbücher seiner Mutter, die er der chinesischen Schrift wegen allerdings nicht entziffern kann. Um mehr über die Familie seiner Mutter in Singapur zu erfahren und den eigenen Radius zu erweitern, begibt sich der japanische Koch auf eine Schnupperreise, die ihn kulinarische Sensationen erleben lässt. In Singapur ist aber auch noch das japanische Terrorregime während der Besatzung zwischen 1942 und dem Ende des Weltkriegs ein Thema, das in Japan tabuisiert wird.

Juzo Itamis „Tampopo” war 1985 der erste kulinarische Gruß aus dem japanischen Kino, der mit seinem Lob auf die Nudelsuppe die Kochkunst und mehr noch (ironisch) die nationale Tradition bei der Begegnung mit einer Suppenschüssel feierte. Darüber vergaß Juzo Itami allerdings zu erwähnen, dass die Japaner die Ramen-Rezepte von den Chinesen geklaut haben.

Diese Geschichtsvergessenheit korrigiert nun der Singapurer Eric Khoo mit seinem Film „Ramen Shop”, ohne mit den Kochlöffeln zu drohen. Khoos Enquete- und Bankettfilm feiert als Auftragsarbeit ein rundes Jubiläum, denn Japan und Singapur pflegen erst seit 1968 wieder diplomatische Beziehungen.

Schmerzhaft und (in den historischen Rückblenden) etwas holprig gestaltet sich auch Masatos Annäherung an seine chinesische Familie, um die vorhersehbare Versöhnung mit Tränen und scharfer Suppe zelebrieren zu können. Für die Großmutter ist der japanische Enkel der Mörder seines Großvaters. Aber da gibt es noch Bak Kut Teh, die Rippchen-Suppe – Brühzeit: zehn Stunden.

Späte Wiedergutmachung belegt auch der weltweite Ramen-Hype. Die in Großstädten wie Pilze aus dem Boden schießenden Suppenlokale locken mit japanischem Design, vor den Kochtöpfen stehen aber oft Chinesen. (p. a.)




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