Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.06.2019


Kino

„Terapia di coppia per amanti“: Paartherapie für die Affäre

Die italienische Komödien-Romanze „Terapia di coppia per amanti – Paartherapie für Liebende“ liefert humorvolle Einblicke in eine verbotene Beziehung in der Krise.

Viviana (Ambra Angiolini) und Modesto (Pietro Sermonti) sind verheiratet, aber nicht miteinander. Beim Paar­therapeuten wollen sie ihre Affäre reparieren.

© PolyfilmViviana (Ambra Angiolini) und Modesto (Pietro Sermonti) sind verheiratet, aber nicht miteinander. Beim Paar­therapeuten wollen sie ihre Affäre reparieren.



Von Marian Wilhelm

Innsbruck – „Amante“ lässt sich im vorliegenden Fall mit Geliebte oder „Gspusi“ übersetzen. Für den Kern-Schmäh des Films macht das mehr Sinn als die „Liebenden“ des deutschsprachigen Verleihtitels und ist weniger brutal als die ehebrecherischen englischen „Cheaters“. Viviana und Modesto haben nämlich eine Affäre miteinander, zusätzlich zu ihrer jeweiligen Ehe. Doch auch in der außerehelichen Beziehung läuft es nicht so toll. Deswegen schleift Viviana ihren Liebhaber Modesto zur Paartherapie. Somit ist eine Variante der sattsam bekannten italienischen Beziehungskomödie angelegt. Doch etwas mehr als das Erwartbare holt Regisseur Alessio Maria Federici dann doch aus der Geschichte heraus.

Seit Langem steckt die italienische Komödie in einer der untersten Schubladen des Genres fest – und ist damit international nicht allein. Die goldenen Zeiten der fantasievoll-verrückten Screwball-Comedy mit hoher Humor-Dichte liegen weit im 20. Jahrhundert. Selbst Woody Allen, für den ein Stoff wie „Terapia“ perfekt wäre, gibt sich schon lange mit wenig zufrieden. Ein bisschen orientiert sich „Terapia di coppia per amanti“ dann aber doch an intelligenten Komödien-Klassikern. Autor Diego De Silva, auf dessen Roman das Drehbuch basiert, und Federici geht es nämlich nicht primär um die Plot-Auflösung samt Happy End oder Trennung. Vielmehr bekommen die beiden sympathischen Hauptfiguren viel Raum zum Keppeln, nicht nur beim Therapeuten. Die Dialoge bestehen nicht nur aus billigen Gags, sondern wagen einige in Schmähs gegossene Gedanken über das weite Feld der Liebe. Ansonsten würde die absurde Ehebruch-Konstellation der verflochtenen Paare in Zeiten schnelllebiger serieller Monogamie und immer mehr ehrlicher nicht-monogamer Beziehungsformen auch recht anachronistisch anmuten.

Das Herz einer Komödie wie „Terapia“ ist die Chemie seiner Hauptfiguren, mit schrägen Nebencharakteren drumherum. Während Viviana (Ambra Angiolini) biografisch etwas blass bleibt, ist vor allem Profi-Gitarrist Modesto (Pietro Sermonti) ein runder Charakter mit einem berühmten Jazz-Musiker als wenig hilfreichem Vater. Das nutzt der Film geschickt für Konzert-Szenen, die den passenden Soundtrack innerhalb der Geschichte liefern.

Die absurd-überzeichnete Rolle spielt Therapeut Prof. Malavolta (Sergio Rubini), der mit eigenen Liebesproblemen kämpft. Hier kippt der Film dann wieder ins Lachhafte.

Die Frage nach einem ehrlichen Ausweg aus dem Definitionsdilemma zwischen Geliebten und Liebenden, zwischen Paar und mehreren Partnerschaften, trifft auch den Film selbst. So ganz entscheiden, was er sein will, kann sich „Terapia“ dabei nicht. Nette Romantik-Fragezeichen liefert er aber allemal.


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