Letztes Update am Mi, 17.07.2019 19:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kino

König der Löwen: Sechs Gründe, warum sich ein Kino-Besuch lohnt

Das lange Warten hat ein Ende: Ab dem heutigen Mittwoch sind der Löwenjunge Simba und seine besten Freunde Timon & Pumbaa zurück auf der großen Leinwand – und das im ganz neuen Gewand. Da stellt sich schnell die Frage: Ist das noch Animation oder schon Wirklichkeit – und lohnt es sich?

Liebe zum Detail: US-Regisseur Jon Favreau ("The Jungle Book") änderte augenscheinlich nicht ein einziges Haar auf Simbas fotorealistischem Fell. Auch am Niedlichkeits-Faktor gab es nichts zu rütteln.

© DisneyLiebe zum Detail: US-Regisseur Jon Favreau ("The Jungle Book") änderte augenscheinlich nicht ein einziges Haar auf Simbas fotorealistischem Fell. Auch am Niedlichkeits-Faktor gab es nichts zu rütteln.



Innsbruck — 1994 ging „Der König der Löwen" als erfolgreichster Zeichentrickfilm in die Geschichte ein. Jetzt, 25 Jahre später, kommt der Disney-Klassiker erneut ins Kino — und setzt völlig neue Maßstäbe in Sachen Animationskunst. Und auch sonst gibt es allerlei gute Gründe, sich dieses Leinwandspektakel nicht entgehen zu lassen.

#1: Der Nostalgie-Faktor

Die Sonne geht über der Serengeti auf, Afrikas Tiergemeinde marschiert in Scharen zum Königsfelsen, wo die Geburt des Löwenjungen Simba zelebriert und mit „Der ewige Kreis" besungen wird: Naaaaaants ingonyama bagithi Baba ...

Es ist wohl eine der epischsten Szenen der Filmgeschichte, selbst ein Standbild reicht, um sie zum Leben zu erwecken. Für viele ist „Der König der Löwen" ein (großes) Stück Kindheit, an dem viele Erinnerungen haften — lustige wie traurige. Das weiß auch Regisseur Jon Favreau, der sich daher inhaltlich sehr eng, um nicht zu sagen ausschließlich, am Original orientierte. Was Kritiker bemängeln, dürfte Nostalgiker umso mehr freuen.

Eine Szenerie mit Soundtrack.
Eine Szenerie mit Soundtrack.
- Disney

#2: Der Fotorealismus

Bereits beim ersten Teaser-Trailer, musste man teilweise zweimal hinschauen, weil alles verblüffend echt aussieht. Jeder Grashalm sitzt, jedes Sandkorn staubt in Formation, dazu die weite Savanne, Wasserfälle, kantige Felsen, weite Wüsten und darüber der hohe Himmel — alles wirkt so, als wäre der Film mit lebendigen Tieren mitten in Afrika gedreht worden. Wie eine Naturdokumentation.

Doch die Illusion ist nahezu perfekt — die gesamte Welt stammt aus dem Rechner. Inspiriert von Naturschauplätzen in Afrika wurden die Landschaften am Computer entworfen, mit der Technik von Videospielen. So entstanden fotorealistische, virtuelle Welten, die das Filmteam während des Drehs auch tatsächlich betreten konnte. „Anstatt es auf dem Computerbildschirm abzuspielen, konnten wir direkt hineingehen und neben einem animierten Löwen stehen", erzählt Regisseur Favreau.

„Der König der Löwen" ist eine neue Referenzmarke im Bereich der filmischen Computeranimation. Bei den Charakteren, dem Herzstück des Films, stößt die Technik aber etwas an ihre Grenzen: Durch die realistische Darstellung verändern sie ihre Gesichtszüge beim Sprechen kaum und transportieren daher weniger Emotionen als im Zeichentrickfilm. Das tut ihrer Lebendigkeit jedoch keinen Abbruch.

Um die Tiere so realistisch wie möglich darzustellen, mussten natürlich auch Abstriche gemacht werden — so verkündeten Fans bereits früh ihren Ärger über Scars fehlende schwarze Mähne. Und freilich fiel dem ganzen Realismus auch teilweise der Niedlichkeitsfaktor zum Opfer — aber auch wenn das pupsende Warzenschwein Pumbaa in seiner Optik etwas erschreckend anmutet, muss man es einfach lieb haben.

Eine zufällige Begegnung mit Nala erinnert Simba an seine königliche Pflicht.
Eine zufällige Begegnung mit Nala erinnert Simba an seine königliche Pflicht.
- Disney

#3: Der Humor

Was der realistisch wirkende Ausdruck der tierischen Charaktere nicht liefern kann, wird durch die geistreichen Dialoge wettgemacht. Ganz vorn dabei sind da natürlich Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumbaa, die ihren Vorlagen von 1994 in Sachen Humor und Liebenswürdigkeit in nichts nachstehen und ihrem Ruf als heimliche Stars des Films alle Ehre machen. Das vergnügliche Duo trottet wie eh und je zu zweit durch die Gegend, die beiden ergänzen ihre Sätze gegenseitig wie ein uraltes Ehepaar und zoffen sich auch wie ein solches.

Aus einem ungleichen Trio wurden beste Freunde fürs Leben: Löwe Simba, Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumbaa.
Aus einem ungleichen Trio wurden beste Freunde fürs Leben: Löwe Simba, Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumbaa.
- Disney

Mit seinem charmanten Witz wusste „Der König der Löwen" schon 1994 zu überzeugen — und die flotten Sprüche und pointierten Dialoge sind heute noch genauso lustig wie damals. Der Neuverfilmung gelingt es aber auch, den aktuellen Zeitgeist in die Dialoge einfließen zu lassen. Junge Vögel tweeten, Hyänen bestehen auf Diskretionsabstand und Simba lernt eine neue vegetarische Ernährungsart — mit Referenzen wie diesen wird ein wunderbarer Spagat zwischen Nostalgie und Moderne geschaffen, der wirklich jede Generation anspricht.

#4: Die Emotionen

Die großen Momente der tiefen Gefühle gibt es auch in Kinderfilmen. Disney beherrscht dieses Segment wie wohl kein anderer — und auch „Der König der Löwen" enthält eine dieser Szenen, die man nicht vergisst: Wenn der kleine Simba neben seinem toten Papa Mufasa hin und her tapst, weint, ihn immer wieder anstupst, in der Hoffnung, ihn „aufwecken" zu können, bleibt kaum ein Auge trocken. Dem Spiel mit der Tränendrüse ist man auch als Erwachsener ausgeliefert. Mit den vielen Lebensweisheiten, die etwa Mufasa seinem Sohn mitgibt, wird ebenso eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen, die dem Herz gut tut.

Raudige Mähne, farbloses Fell: Das wohl größte Wagnis ging Favreau wohl mit der doch sehr stark vom Zeichentrick-Original abweichenden Optik des hinterhältigen Widersachers Scar ein.
Raudige Mähne, farbloses Fell: Das wohl größte Wagnis ging Favreau wohl mit der doch sehr stark vom Zeichentrick-Original abweichenden Optik des hinterhältigen Widersachers Scar ein.
- Disney

Aufregend wird es im Remake, wenn etwa Mufasa und sein Bruder Scar kämpfen. Gewaltige Raubtiere prallen aufeinander, Szenen voller Drama und Spannung. Es macht Spaß, die Tiere in ihrer „natürlichen" Umgebung zu beobachten. Und während im Zeichentrick-Version die Löwengeräusche noch „handgemacht" sind — sprich, ein Synchronsprecher sich an einer leeren Mülltonne bediente — reisten Ton-Experten für die Verfilmung etwa nach Sachsen-Anhalt in den Magdeburger Zoo. Dort machten sie Tonaufnahmen von jungen Löwen für das Gebrüll des kleinen Simba, bevor er zu einer großen Raubkatze heranwächst.

#5: Die Musik

Hakuna Matata, Der ewige Kreis, Seid bereit, Ich will jetzt gleich König sein oder Can You Feel The Love Tonight — was wäre „Der König der Löwen" ohne seine Hymnen? Auch die Neuverfilmung lädt ausgiebig zum Mitsingen ein, die Ohrwürmer von Elton John, Tom Rice und Hans Zimmer wurden allesamt nur minimal verändert. Lediglich Scars Lied „Seid bereit" wurde etwas zusammengeschrumpft, was durchaus ein kleiner Wermutstropfen ist. Darüber hinaus wurden auch neue Songs beigesteuert: Etwa „Spirit" von Beyoncé oder Elton Johns „Never Too Late", die sich nahtlos in die Qualität des Films einreihen.

#6: Die Synchronsprecher

Wer „Der König der Löwen" liebt, sollte sich die englischsprachige Originalfassung ebenfalls im Kino anschauen. Diese wartet mit einem hochkarätigen Ensemble an Synchronsprechern auf: Neben Mufasas Original-Stimme von James Earl Jones (siehe Grund Nr. 3) hat Disney die Stimmen von Beyoncé als Nala, Chiwetel Ejiofor als Scar sowie Comedians Billy Eichner als Timon, Seth Rogen als Pumbaa und John Oliver als Zazu gebucht. John Oliver tritt damit in die Fußstapfen von „Mr. Bean" (Rowan Atkinson) höchstpersönlich, steht diesem an Britishness und Humor aber in nichts nach. Und ja, Pumbaa beherrscht Seth Rogens dröhnendes Lachen und sorgt dafür sicher für einige Lacher mehr.

Auch in der deutschen Fassung kehrt eine Sprecherin aus dem Original von 1994 in ihre Rolle zurück — Magdalena Turba leiht Simbas Freundin Nala wieder ihre Stimme. Vertonte sie als damals Elfjährige noch die junge Nala, spricht und singt sie nun die erwachsene Version. Turba dürfte allen voran als Stimme von Amanda Seyfried („Mamma Mia") oder Cheryl Blossom in der 1. Staffel der Jugendserie Riverdale bekannt sein. (tst)