Letztes Update am So, 21.07.2019 11:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Schauspieler Fritz Wepper: „Innsbrucks Ärzte haben mir das Leben gerettet“

Fritz Wepper ist auch mit 77 Jahren sehr aktiv – ob beim Hochseefischen oder vor der Kamera. Im TT-Interview erzählt der „Derrick“-Star außerdem, wofür er seine erste Gage ausgegeben hat und warum er Methusalem spielen will.

Fritz Wepper wurde während seiner Herz-Op vom Tiroler Primar Stephan Eschertzhuber (l.) betreut.

© WepperFritz Wepper wurde während seiner Herz-Op vom Tiroler Primar Stephan Eschertzhuber (l.) betreut.



Herr Wepper, Sie wurden vor Kurzem zweimal in der Universitätsklinik Innsbruck am Herzen operiert. Beim zweiten Mal lag Ihre Überlebenschance nur bei fünf Prozent.

Fritz Wepper: Aber dank der wunderbaren Behandlung der Ärzte und Betreuer ging alles gut, und ich kann meine beruflichen Aufgaben weiter ausführen. Vom Pförtner bis zum Pflegepersonal und den Ärzten waren alle so unglaublich empathisch. Ganz besonders hervorheben möchte ich Doktor Stephan Eschertzhuber (Er war in Innsbruck Oberarzt in der Abteilung Anästhesie sowie Leiter der Transplant Intensiv und ist seit diesem Jahr der neue Primar im Klinikum Hall, Anm. der Redaktion). Er ist nicht nur ein herausragender Mediziner, sondern auch ein besonders feiner Mensch. Nicht zu vergessen der operierende Professor Michael Grimm. Sie haben mein Leben gerettet. Danke!

Wie kam es, dass Sie als Münchner in Tirol operiert wurden?

Wepper: Es war keine Notoperation, ich hatte also Zeit, alles zu organisieren, und Innsbruck hat sich wegen ärztlicher Verbindungen ergeben.

Wie geht es Ihnen jetzt?

Wepper: Im Zuge der Reha mache ich viel Nordic Walking – manchmal übrigens auch in Tirol. Gerade komme ich vom Arzt und er sagt, alle meine Werte sind in Ordnung.

Sie sind offenbar schon wieder so fit, dass Sie in den nächsten Tagen in der Karibik hochseefischen werden.

Wepper: Seit 20 Jahren bin ich beim „Royal Fishing Club“, wo wir schwer erziehbaren Kindern, Kindern aus zerrütteten Ehen oder Waisen helfen, den Jugend-Fischerei-Schein zu machen und sie zu Fischercamps von Norwegen bis in die Karibik einladen.

 Dank des Teams der Universitätsklinik Innsbruck kann der Schauspieler, der durch Serien wie "Derrick" (im Bild) bekannt wurde, wieder arbeiten. Derzeit dreht er die 19. Staffel der Serie "Um Himmels Willen".
Dank des Teams der Universitätsklinik Innsbruck kann der Schauspieler, der durch Serien wie "Derrick" (im Bild) bekannt wurde, wieder arbeiten. Derzeit dreht er die 19. Staffel der Serie "Um Himmels Willen".
- dpa

Sie haben offenbar noch keine Rentenpläne – trotz Ihres Alters von 77 Jahren?

Wepper: Meine Familie hat gute Gene – bis auf meine Mutter wurden alle über 90 Jahre alt. Darum habe ich gute Chancen, eines Tages den Methusalem zu spielen. Der wurde laut Chronik ja 400 bis 700 Jahre alt. Im Ernst: Der Beruf macht mir nach wie vor großen Spaß, wieso sollte ich also aufhören zu spielen?

Sie haben in 281 „Derrick“-Folgen mitgewirkt und spielen derzeit in der 19. Staffel der Serie „Um Himmels Willen“ mit. Die Arbeit an einem Projekt zieht sich über Jahre. Sind Sie manchmal so tief in der Rolle, dass Sie Aspekte des Charakters in die Realität mitnehmen?

Wepper: Nein. Das ist mein Beruf. Fiktion. Mein Handwerk. Sobald die Studiotür zu ist, bin ich wieder der Wepper.

Während der Dreharbeiten für „Derrick“ haben Sie Ihren Kollegen Horst Tappert öfter gesehen als Ihre Ehefrau. War der Abschied von ihm emotional, als 1998 die letzte Folge gedreht wurde?

Wepper: Dinge gehen zu Ende, sodass neue Dinge beginnen können. Tappert und ich hatten ausgemacht, das so lange zu machen, wie es die Gesundheit zulässt. Er wollte schließlich aufhören, weil ihn die Arbeit physisch belastet hat. Dieser Abschied war sehr emotional.

Als „Derricks“ Assistent Harry Klein wurden Sie weltbekannt ...

Wepper: Einmal drehten wir „Das Traumschiff“ in der Karibik. Während einer Pause gingen wir an Land, wo an einem Stand zwei Frauen eine Art Fleischpflanzerl zubereiteten. Plötzlich sehen sie mich an und sagen: ,Hally! Dellick!‘ Wir kamen ins Gespräch und sie haben uns wunderbar verköstigt. Ein anderes Mal war ich in Norwegen beim Fischen, stand am Flughafen und Leute deuteten auf mich. Komisch, wenn man das erste Mal in einem Land ist und gleich erkannt wird. Dort wird eine Staffel übrigens immer noch ausgestrahlt. Wir waren quasi Botschafter für Deutschland auf der ganzen Welt.

Die Serie wurde in über 100 Sprachen übersetzt. Wie geht es Ihnen, wenn Sie sich im Fernsehen fließend Japanisch sprechen hören?

Wepper: Unglaublich! Kürzlich war ich in Italien, als im Hotelfernseher „Derrick“ lief. In fließendem Italienisch mit meiner Stimme. Der Synchronsprecher klang mir nämlich extrem ähnlich. Ich selbst beherrsche nur Speisekarten-Italienisch.

Wenn Sie heute alte Folgen sehen – hadern Sie, dass Sie Details anders machen würden?

Wepper: Da bin ich viel zu pragmatisch. Ein Film ist ein Dokument. Man schaut ja auch in kein Fotoalbum und sagt: Mein Gott, heute würde ich mich anders hinstellen.

Schon im Alter von neun Jahren haben Sie erstmals beschlossen, Schauspieler zu werden. Gab es keine alternativen Berufswünsche?

Wepper: Da war kurz der Gedanke, Kinderarzt zu werden. Aber Schauspiel hat mich fasziniert, seit ich mit neun Jahren zum ersten Mal in München ins Theater gegangen bin. Meine Mutter hatte ein Abonnement und mir kam zugute, dass ihre Freundin, die sie sonst begleitete, krank war. Also kam ich mit und war vom ersten Moment an in den Bann gezogen. Damals wusste ich noch nicht, dass ich zwei Jahre später selbst als Peter Pan auf der Bühne stehen würde.

Wofür haben Sie Ihre erste Gage von der Peter-Pan-Rolle ausgegeben?

Wepper: Für meine erste lange Hose und eine Uhr. Ich habe 80 Mark pro Vorstellung bekommen und war damit laut meiner Vorstellung von damals Millionär. Während der Kindheit mussten wir nämlich auf einiges verzichten. Ich wurde 1941 geboren. Ich war vier, als der Krieg zu Ende ging. Da gab es schon mal nur gelbe Rüben zum Abendessen. Wenn man einmal richtigen Hunger erlebt hat, vergisst man das sein ganzes Leben nicht mehr.

Hat diese Situation Sie und Ihren Bruder Elmar zusammengeschweißt?

Wepper: Schon, aber viel mehr noch, dass unser Vater im Krieg vermisst wurde. Unsere Mutter hat uns allerdings mit viel Liebe aufgefangen. Dietmar und ich haben oft zusammen Theater gespielt. Ein Regisseur fragte mich damals, ob mein Bruder auch schauspielen will. So kam er auch zu diesem wunderbaren Beruf.

Sie haben auch Hollywood-Luft geschnuppert, als Sie 1972 mit Liza Minnelli „Cabaret“ drehten. Haben Sie bereut, dass Sie danach nicht mehr international tätig waren?

Wepper: Nein. Das hat sich so ergeben. Ich hatte das Angebot, in Kanada und den USA zu drehen und am Broadway aufzutreten. Aber damals stand ich bei „Derrick“ unter Vertrag.

Vor einigen Jahren waren Sie wegen Ihrer unehelichen Tochter sehr medienpräsent, für deren Mutter Sie vorübergehend Ihre Frau verlassen haben. Haben Sie damals eine Eheberatung gemacht?

Wepper: Bestimmt nicht! Meine Frau ist Anfang des Jahres an einer Hirnblutung gestorben und ich vermisse sie jeden Tag.

Das Interview führte Judith Sam