Letztes Update am So, 28.07.2019 10:01

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Michael Bully Herbig: „Disney – das war damals wie ein Ritterschlag“

Michael „Bully“ Herbig spricht Woody im Animationsfilm „A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“. Es ist nicht sein erster Disney-Film.

Michael Bully Herbig spricht in der deutschen Fassung wieder den guten alten Woody.

© verschDisney/PixarMichael Bully Herbig spricht in der deutschen Fassung wieder den guten alten Woody.



Berlin – Es geht weiter. Ab 15. August gibt es in unseren Kinos „A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“. Diesmal kommt es zur Aufregung im Spielzeugland, weil Bonnie ein widerspenstiges neues Spielzeug in ihre Sammlung aufnimmt. Es heißt Forky und ist ein Mittelding zwischen Gabel und Löffel. Forky erlebt eine schwere Identitätskrise, weil er überzeugt davon ist, kein Spielzeug zu sein. Michael Bully Herbig spricht in der deutschen Fassung wieder Woody.

Im nunmehr vierten Teil der „Toy Story“ sind Sie in der deutschen Fassung zum zweiten Mal die Figur Woody.

Michael Bully Herbig: Ja, denn vorher hat das der großartige und mittlerweile leider verstorbene Kollege Peer Augustinski gemacht. Viele Zuschauer hätten enttäuscht sein können, weil sie ab Teil drei nicht mehr dieselbe Stimme hörten. Ich habe genau gewusst, worauf ich mich da einließ. Doch als die Anfrage kam, habe ich nicht lange überlegt, sondern gleich gesagt: „Klar, mache ich!“ Davon ausgehend, dass ich die nächsten zwanzig Jahre mit der Figur des Woody zu tun haben würde ...

Es war nicht das erste Mal, dass Sie Disney als Synchronstimme holte?

Herbig: Richtig. Das erste Angebot kam vor 18 Jahren, als ich den Kuzco in „Ein Königreich für ein Lama“ sprechen sollte. Disney – das war damals wie ein Ritterschlag. Da geht es einem definitiv nicht ums Geld, sondern nur um die Tatsache, dass man sagen konnte: „I made it!“

War der Woody in „Toy Story“ drei und vier etwas Besonderes für Sie?

b 15. August ist Cowboy-Sheriff Woody (l.) im neuen Film „A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“ in den Kinos zu sehen. Es ist der bereits vierte Teil der „Toy Story“.
b 15. August ist Cowboy-Sheriff Woody (l.) im neuen Film „A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“ in den Kinos zu sehen. Es ist der bereits vierte Teil der „Toy Story“.
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Herbig: Ja, weil der erste Teil sozusagen der Urknall für eine neue Technologie war. Nach all den charmanten Zeichentrick-Produktionen, die man von Disney gewohnt war, erschien diese Pixar-Technologie zunächst sehr clean, für manche sogar „seelenlos“. Aber es war so gut gemacht, dass man diese Bedenken schnell vergessen konnte.

Als Synchronstimmen werden für Animationsfilme gerne bekannte Namen engagiert. Kann das jeder?

Herbig (lacht): Nein! Denn das hat mit klassischer Synchronarbeit eher weniger zu tun. Es hat mich zwar noch keiner gefragt, aber: Bei klassischem Synchronisieren würde ich nie auf die Idee kommen, zum Beispiel Brad Pitt oder James Bond zu sprechen. Das passt einfach nicht. Im Original borgt in den „Toy Story“-Produktionen Tom Hanks der Figur des Woody seine Stimme. In einem Real-Film würde ich mich nicht an Tom Hanks wagen. Generell meine ich: Ich bin im heiteren Fach zu Hause, und da habe ich ja auch keine Ambitionen, einen Serienmörder zu spielen.

Die richtige Stimme zu finden, ist gewiss ungemein wichtig?

Herbig: Keine Frage. Ein Beispiel: Als wir „(T)Raumschiff Surprise“ machten, dachte ich, wir würden für den Trailer eine Stimme brauchen, die nach Hollywood klingt. Und so haben wir den deutschen Sprecher von Jack Nicholson genommen. Das hat wunderbar funktioniert.

Synchronisiert haben Sie ja auch schon für die eigene Firma, damals, für den Animationsfilm „Lissi und der wilde Kaiser“. Damals haben Sie Ihre Stimme nicht nur Lissi, sondern noch zwei weiteren Charakteren geliehen?

Herbig: Da war die neue Animationstechnik schon etwas eingeübt. Trotzdem kann einen so was extrem nervös machen, weil man das fertige Produkt erst nach zwei Jahren vor sich hat. Ich habe bei keinem Film so viele schlaflose Nächte verbracht wie bei „Lissi“.

Zuletzt, nachdem Sie mit „Ballon“ als Regisseur faktisch einen Genrewechsel vorgenommen hatten, wurde kolportiert, für Sie sei nun „Schluss mit lustig“. Wirklich?

Herbig: Nicht ganz. Als Regisseur reizen mich momentan zwar andere Genres, aber als Schauspieler fühle ich mich in der Komödie nach wie vor zu Hause. Könnte sein, dass ich demnächst ein zweites Mal den Tod spiele – in „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“. Ein Film in der Tradition vom „Brandner Kaspar“.

Mit dem Erfolg von „Ballon“ sind Sie sicher zufrieden.

Herbig: Ja, der Film kam nicht nur gut an, er hat sich auch außerordentlich gut ins Ausland verkauft. Könnte sogar sein, dass wir demnächst einen US-Verleih finden. Das wäre mir mit einer Komödie wahrscheinlich nicht gelungen. Und jüngst war ich zum Frankreich-Start von „Ballon“ in Paris und habe zwei Tage lang Interviews gegeben. Für mich sehr schmeichelhaft, vor allem, weil fast jeder den Film mit Arbeiten von Alfred Hitchcock verglichen hat.

Ihre nächste Regiearbeit – ein ernstes Thema?

Herbig: Es geht um Gerechtigkeit und wie Justiz und Gesellschaft damit umgehen. Die Geschichte erzählt von einer Bundeswehrsoldatin, die Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Auch dieser Film basiert auf wahren Begebenheiten.

In Amerika haben Sie ja schon einmal auf sich aufmerksam gemacht.

Herbig: Vor allem nach „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“. Die Amerikaner schauen ja sehr genau auf die Charts. Unsere Science-Fiction-Parodie startete im deutschen Sprachraum im selben Jahr wie die damalige „Star Wars“-Episode. Ich konnte es damals selber kaum fassen, dass unser Film erfolgreicher lief.

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as brachte Ihnen eine Einladung nach Amerika ein?

Herbig: Ja, und ich wurde über die Skywalker-Ranch geführt, saß mit George Lucas in seinem Büro und dachte nach zehn Minuten: Jetzt muss ich endlich einmal auch etwas sagen! Bin aber leider nicht auf die Idee gekommen, ihn zu fragen, ob er einen Job für mich hat.

Eine letzte Frage zu „A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“: Alle Figuren sind ja Spielzeuge. Hatten Sie als Kind ein Lieblingsspielzeug?

Herbig: Ich hatte einen Ball. Der hatte auch einen Namen. Er hieß „Ball“. Den hatte ich, der bei einer alleinerziehenden Mutter aufwuchs, immer bei mir. Oft auch in einem Rucksack. Ich wollte ja auch einmal Fußball-Weltmeister werden, hab’ aber dann doch eine andere Richtung eingeschlagen.

Das Interview führte Ludwig Heinrich




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