Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.08.2019


Kino

“Das zweite Leben des Monsieur Alain“: Visionen eines Managers

In Hervé Mimrans „Das zweite Leben des Monsieur Alain“ verliert sich Fabrice Luchini in der Komik von Sprachstörungen.

Nach dem Schlaganfall muss die Welt neu entziffert werden: Leïla Bekhti als Logopädin und Fabrice Luchini als stotternder Wapler.

© FilmladenNach dem Schlaganfall muss die Welt neu entziffert werden: Leïla Bekhti als Logopädin und Fabrice Luchini als stotternder Wapler.



Innsbruck – Oft erklärt sich erst im Abspann die Vorliebe der Filmfiguren für eine Automarke, wenn sich die Produzenten beim Hersteller für die Unterstützung bedanken. Bei manchen Charakteren macht das Product-Placement wenig Sinn, da ein Chauffeur die Limousine lenkt. Der Eigentümer liest im Fond Bilanzen. Komplizierter ist die Werbebotschaft in Hervé Mimrans „Das zweite Leben des Monsieur Alain“, denn Alain Wapler (Fabrice Luchini) ist ein Visionär der Autoindustrie.

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Das Porträt des Managers ziert die Covers einschlägiger Magazine, Studenten verrät er die ökonomischen Geheimnisse. Doch der Wunderwuzzi fällt neuerdings durch Verhaltensweisen auf, die einen Schlaganfall ankündigen. Dank seines aufmerksamen Fahrers Sam (Gus), der vielleicht als Liebhaber von Klinik-Serien die Symptome zu deuten vermag, bleiben Wapler die schlimmsten Folgen des Schlaganfalls erspart. Doch das zerstörte Sprachzentrum erfordert eine Therapie, um die sich die Logopädin Jeanne (Leïla Bekhti) kümmern soll. Dabei ist Eile geboten, da in zwei Wochen sein Prestigeprojekt bei der Genfer Automesse präsentiert werden soll. Mit einem Elektroauto möchte er sein Lebenswerk krönen, während sich die Aktionäre gegen die Neuerung wehren. Wären nicht Kalender zu sehen, die auf das Jahr 2017 als Zeitrahmen verweisen, könnte man sich in Mimrans Film die Augen reibend leicht in der Epoche verirren.

Die Vorlage für „Das zweite Leben des Monsieur Alain“ lieferte Christian Streiff, der bis zu seinem Schlaganfall an der Konzernspitze von Peugeot gestanden war und über seine Karriere seine Krankengeschichte das Buch „J’étais un homme pressé“ veröffentlicht hat. Im Film hat der ehemalige Manager einen kleinen Auftritt im Arbeitsamt, wo er sich neben Wapler für eine Wiedereingliederung in die Arbeitswelt anstellt. Das ist dann auch an Lächerlichkeit nicht zu übertreffen, wenn hochbezahlte Konzernführer in das soziale Abseits gedrängt werden. Dem Abstieg lässt Mimran zumindest einen spirituellen Aufstieg folgen. Er schickt Wapler auf den Jakobsweg, auf dem Pilgern die Läuterung garantiert wird. (p. a.)


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