Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.08.2019


Kino

„Good Boys“: Keine bösen Buben

Gene Stupnitsky schickt drei „Good Boys“ in eine Komödie am Rand der Jugendfreigabe.

Die Kinderdarsteller Keith Williams, Jacob Tremblay und Brady Noon lassen die Erwachsenen in „Good Boys“ reichlich blass aussehen.

© UniversalDie Kinderdarsteller Keith Williams, Jacob Tremblay und Brady Noon lassen die Erwachsenen in „Good Boys“ reichlich blass aussehen.



Innsbruck – Ein Schulfilm für Erwachsene ist ein paradoxes Unterfangen. „Good Boys” schickt als Titelhelden drei brave 12-Jährige in ein kindgerechtes Abenteuer. Der alles andere als kindgerechte Pipikaka-Humor des Films zielt aber eher auf niederschwellige Erwachsenenbespaßung ab. Kein Wunder, dass die Altersfreigabe dementsprechend ausfällt: Hierzulande empfiehlt die Jugendschutzkommission den Kinobesuch frühestens für 14-Jährige. In den USA wird das kommerziell gefürchtete R-Rating, sprich frei ab 17, kurzerhand zur Werbekampagne: Im Trailer wird den Kinderdarstellern bereits das Sehen des Trailers verboten.

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Das Spiel mit der Provokation ist aber auch die Basis der Komödie selbst. Dabei könnte die Prämisse nicht harmloser sein: Die drei Außenseiter sind auf eine unschuldige Kuss-Party eingeladen. Mit der Flugdrohne des Vaters wollen sie sich voyeuristische Nachhilfe bei der Nachbarin (Molly Gordon) und ihrem Drogendealer-Freund holen. Die Drohne wird einkassiert. Die drei Freunde wollen sie zurückholen. Und kommen vom Regen in die Traufe.

Dass es gute Komödien ohne wirklichen Plot gibt, ist eine filmhistorische Binsenweisheit. Dialogwitz, Szenenaufbau und nicht zuletzt die nötige Verrücktheit sind entscheidend. Regiedebütant Gene Stupnitsky beweist mit „Good Boys“ Fingerspitzengefühl in der Führung seiner drei jungen Protagonisten (Brady Noon, Keith Williams und Jacob Tremblay). Hinter dem Projekt stehen als Produzenten Evan Goldberg und Seth Rogen und Jonah Hill.

Das Timing in „Good Boys“ sitzt. Stupnitsky und sein Co-Autor Lee Eisenberg gehen mit ihren Gags angenehm verschwenderisch um: Die besten Pointen fallen nebenbei. Manche Schmähs verpuffen hingegen. Andere werden überreizt. Trotzdem: „Good Boys“ ist eine durchaus charmante Hau­drauf-Kömodie. Auch dank der drei großartigen Buben. Die Erwachsenen bleiben hier hingegen reichlich blass. (maw)




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