Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.09.2019


Kino

“Fair Traders“: Der andere Reichtum

Am Donnerstag präsentiert Nino Jacusso seinen Film „Fair Traders“ in Innsbruck.

Bio-Baumwolle dank interkultureller Synergien: Nino Jacusso porträtiert in „Fair Traders“ Geschäftsmodelle für die Post-Wachstumsökonomie.

© FilmdelightsBio-Baumwolle dank interkultureller Synergien: Nino Jacusso porträtiert in „Fair Traders“ Geschäftsmodelle für die Post-Wachstumsökonomie.



Von Marian Wilhelm

Innsbruck – „Wir sind schon reich, aber einfach nicht mit Geld“, sagt die Bio-Bäuerin Claudia Zimmermann mit ihrem Dorfladen im schweizerischen Küttigkofen. Sie ist eine von drei ProtagonistInnen in Nino Jacussos Dokumentarfilm „Fair Traders“. Mit den dreien macht Jacusso ein Spannungsfeld auf, das aktueller nicht sein könnte: ökologisch, regional, sozial und global fair. Es geht also nicht nur um Gerechtigkeit beim internationalen Handel mit der südlichen Welt. Der Dorfladen mit den Bio-Produkten muss in keinem Widerspruch stehen zum fairen Bio-Baumwoll-Anbau, den Patrick Hohmann von der Schweiz aus in aller Welt betreibt. Ihn begleitet Jacusso zu den Baumwollbergen seiner Öko-Geschäftspartner in Tansania. Als er von interkulturellen Synergien spricht, wären ein paar Worte der lokalen Baumwoll-Geschäftsleute spannend gewesen. Jacusso fokussiert seinen Blick aber voll auf seine drei fairen Trader, die so gar nichts mit den gewinnmaximierenden Tradern an den Börsen gemein haben. Die Dritte im Bunde ist die Augsburgerin Sina Trinkwalder. Aus der Werbebranche ausgestiegen, hat sie ein ökosoziales Textilunternehmen mit am Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen gegründet. Sie ist Chefin von 150 Angestellten, Autorin mehrerer Bücher und beliebter Talkshow-Gast, wenn über Post-Wachstums-Ökonomie debattiert wird. Weit weg von einer einfachen Schweizer Bäuerin also. Und doch immer an deren Seite. Leider begegnen sich nur zwei der drei Fairness-Vorbilder. Ganz kurz wird dabei auch die Schwierigkeit spürbar, wenn auf ein anerkennendes „Sie haben’s nicht einfach!“ mit „Sie haben’s auch nicht einfach“ geantwortet wird.

„Fair Traders“ ist kein offensiv kritischer Dokumentarfilm. Jacusso argumentiert nicht gegen etwas an. Er stellt recht konfliktfrei drei engagierte Menschen vor, die privat und geschäftlich Erfolg haben, der eben nicht zu Lasten anderer geht. Es gehe um das „Wellbeing der Gemeinschaft“, wie es der Schweizer zwischen Englisch und Schwyzerdütsch nennt. Und am Ende gilt natürlich: „Ich kann nicht die Welt retten, das müssen wir schon gemeinsam machen.“

Fair Traders

Premiere in Anwesenheit des Regisseurs: Donnerstag, 19. September, im Leokino. Beginn: 20 Uhr.

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