Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.09.2019


/slash Filmfestival

Markus Keuschnigg: „Wir erleben eine Blüte des Genrekinos“

Vor zehn Jahren gründete der Tiroler Markus Keuschnigg das Wiener /slash Filmfestival. Die Jubiläumsausgabe startet heute Abend mit „The Lodge“.

"The Lodge" von Veronika Franz und Severin Fiala eröffnet heute Abend das Wiener /slash Filmfestival.

© /slash/Seidl-Filmproduktion"The Lodge" von Veronika Franz und Severin Fiala eröffnet heute Abend das Wiener /slash Filmfestival.



Wien – Seit einem Jahrzehnt wird in Wien „geslasht“. Zerfetzt also, zerschnitten und zerstochen. Und nach Herzenslust irritiert. Denn als „Festival des fantastischen Film“ zeigt /slash mehr als „Blut- und Beuschel-Kino für Hartgesottene“. Sagt Festivalleiter Markus Keuschnigg. Der gebürtige Kitzbüheler hat das Festival vor zehn Jahren gegründet. Derzeit beobachtet er eine Renaissance des vermeintlich Abseitigen: „Wir befinden uns kommerziell wie künstlerisch in einer Blütezeit des Genrekinos. Das jahrelang kultivierte Stigma besonders des Horrorfilms als niedrige, nicht ernst zu nehmende Unterhaltungsform ist passé.“ Auch im Rückblick auf das erste Festival-Jahrzehnt zieht er positive Bilanz: „Es ist uns gelungen, die manchmal eigentümlich versteifte heimische Filmkultur-Szene via Provokation und Sentimentalität aufzulockern.“

Heute Abend startet im Wiener Gartenbaukino die /slash-Jubiläumsausgabe. Zum Start kann Keuschnigg zwei Freunde des Festivals als Gäste begrüßen, die mit ihrer ersten US-Produktion „The Lodge“ schon beim diesjährigen Sundance-Festival überzeugten. Keuschnigg: „Veronika Franz und Severin Fiala haben mit ,Ich seh Ich seh‘ das heimische Genrekino quasi im Alleingang modernisiert, indem sie den Autorenfilm mit Horror-Tropen vermengt haben.“ Mit „The Lodge“ sei ihnen nun ein „geniales, gnadenlos inszeniertes Psychohorrorstück“ gelungen. Franz und Fiala „arbeiten absolut zeitgenössisch und modern, aber auch im cinephilen Sinne klassisch“, so Keuschnigg.

Klassisch angsteinflößend sind 2019 auch die Blicke in die Filmgeschichte. „Die Retro ,Female Terror‘ versucht eine feministische Revision des Horrorkinos, mit mehr als zwei Dutzend Schockern von Regisseurinnen von den Fünfziger-Jahren bis in die Gegenwart“, erklärt Markus Keuschnigg.

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Daneben zeigt das Österreichische Filmmuseum in Kooperation mit dem Festival auch eine große Schau des italienischen Giallo-Kinos. Doch auch schreckhaftere Zeitgenossen dürfen sich zum Festival trauen, betont Keuschnigg: „Die Bandbreite des heurigen Programms reicht von japanischen Trickfilmen über avantgardistisches Kunstkino bis hin zu hochpolitischen Thrillern.“

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Mit Letzteren ist unter anderem der Neonazi-Thriller „Wintermärchen“ gemeint, in dem der Österreicher Thomas Schubert eine Hauptrolle hat.

Mit insgesamt knapp 60 Filmen an zehn Tagen ist das /slash mittlerweile Wiens größtes Filmfestival nach der Viennale. (maw)


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