Letztes Update am Sa, 05.10.2019 16:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kino

Film über Otto Neururer: Im Gewöhnlichen außergewöhnlich gut

Der Film über den Tiroler Märtyrer Otto Neururer „Hoffnungsvolle Finsternis“ hatte am Freitag im Innsbrucker Metropol-Kino Premiere.

Der Osttiroler Lucas Zolgar als Otto Neururer, der in Buchenwald ermordet wurde.

© avgproduktionDer Osttiroler Lucas Zolgar als Otto Neururer, der in Buchenwald ermordet wurde.



Innsbruck – Für den 2013 verstorbenen Altbischof Reinhold Stecher ging am 24. November 1996 mit der Seligsprechung der Tiroler Märtyrer, Pfarrer Otto Neururer und Pater Jakob Gapp, ein großer Wunsch in Erfüllung. Von Neururer hatte er die Erstkommunion empfangen. Stechers akribisches Bemühen für die Seligsprechung sollte eines aufzeigen: „Es war höchste Zeit darzustellen, dass es auch ein anderes Österreich gegeben hat“, wollte er den Widerstand der beiden Tiroler gegen das nationalsozialistische Regime aufzeigen. Der Götzner Pfarrer Otto Neururer wurde am 30. Mai 1940 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. An den Füßen aufgehängt, dauerte sein qualvoller Todeskampf 36 Stunden.

Sofia (Jasmin Mairhofer) und Pfarrer Anton (Ottfried Fischer).
Sofia (Jasmin Mairhofer) und Pfarrer Anton (Ottfried Fischer).
- avgproduktion

„Im Gewöhnlichen außergewöhnlich gut“ hieß einmal eine Dokumentation über Otto Neururer im Innsbrucker Haus der Begegnung. Dieser Überzeugung näherte sich Regisseur Hermann Weiskopf in seinem szenischen Kinofilm „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ an.

Die Stärke des Films liegt in der überzeugenden Schlichtheit und der kraftvollen Aussage wider die Gewalt. Drei Suchende – Heinz (Heinz Fitz), ein ehemaliges SS-Kind, die jugendliche Straftäterin Sofia (Jasmin Mairhofer) und der an Parkinson erkrankte Pfarrer Anton (Ottfried Fischer) – hadern mit ihrem Leben. Über Neururers Lebensschicksal finden sie zusammen und zurück in ihr Leben.

Papst Johannes Paul II. spricht Otto Neururer 1996 selig.
Papst Johannes Paul II. spricht Otto Neururer 1996 selig.
- AP Photo/Giulio Broglio

Sein unerschütterlicher Glaube ließ Neururer, einer von 130.000 von den Nazis ermordeten Andersdenkenden und Widerstandskämpfern, keine andere Wahl, als den Nationalsozialismus abzulehnen. Weiskopf, Co-Produzent Ottfried Fischer und Drehbuchautor Peter Mair haben ihren Film stark regional verwurzelt, dadurch aber das damalige NS-Schreckensregime noch greifbarer gemacht.

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Wie schon im Doku-Drama „Zersplitterte Nacht“ (2013). Bis ins kleinste Dorf, „bis zu uns“, in das filmisch idyllisch ins Szene gesetzte Mittelgebirge oberhalb von Innsbruck, reichte der Arm der Nazi-Henker. Und eingebettet in quälende Fragen von heute wie Krankheit, die Mühen des Älterwerdens oder Scheitern in einer Welt des Überflusses werden Antworten gegeben. Als ob man ein Buch von hinten liest. (pn)

Kino-Premieren:

➤ FMZ Kino Imst seit Samstag

➤ CineX Lienz: heute und Montag, 7.10., jeweils 19.30 Uhr

➤ Cineplexx Wörgl: Dienstag, 8. Oktober, 19.30 Uhr

➤ Altes Kino Landeck: Mittwoch, 9. Oktober, 19.30 Uhr

➤ Cinema4you Funplexx Kufstein: Donnerstag, 10. Oktober, 20.15 Uhr

➤ Filmtheater Kitzbühel Cineplex: Samstag, 12. Oktober, 17.30 Uhr

➤ Kino Fulpmes: Sonntag, 13. Oktober, 18 Uhr

„Ein Sehender in der Zeit der Verblendung“

Am Freitag lud die Diözese Innsbruck zur Premiere von „Hoffnungsvolle Finsternis“ ins Metropol-Kino. Schauspieler Ottfried Fischer, seit Jahren Botschafter gegen das Vergessen des NS-Terrors, und Bischof Hermann Glettler drückten dabei ihre ganz besonderen Botschaften aus. Für Glettler war Neururer ein „Sehender in einer Zeit der Verblendung“. Fischer appellierte, dass „wir die Finger in die Wunden legen müssen, denn Vergangenheitsbewältigung muss enden bei einem ,Nie wieder‘“. Das nächste Projekt von Hermann Weiskopf befasst sich mit der Biografie von Ordensschwester Angela Maria Autsch.