Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 20.10.2019


TT-Interview

“Ich war noch niemals in New York“: Glücks-Film mit Udos Liedern und viel Liebe

20 Lieder von Udo Jürgens bilden das Gerüst des Musicals „Ich war noch niemals in New York“. Nach dem Bühnen-Siegeszug läuft die Verfilmung in den Kinos. Ein Premieren-Gespräch in Wien mit Heike Makatsch, Michael Ostrowski und Pasquale Aleardi.

Bunte Szene, viele Udo-Jürgens-Lieder – dieser Film „macht glücklich“, sagen die Schauspieler von „Ich war noch niemals in New York“.

© Universal PicturesBunte Szene, viele Udo-Jürgens-Lieder – dieser Film „macht glücklich“, sagen die Schauspieler von „Ich war noch niemals in New York“.



Kannten Sie Udo Jürgens oder lag Ihnen einer seiner Hits besonders am Herzen?

Heike Makatsch: Wirklich zum Begriff wurde er mir erst bei den Dreharbeiten, als ich in einem großen Teil des Oeuvres den Refrain zu vielen seiner Lieder mitsingen durfte. Als Jugendliche hingegen war ich eher mit subkultureller Musik befasst. Ende der 80er-Jahre war Udo Jürgens ja nicht unbedingt der Sänger für 18-jährige Mädchen. Heute weiß ich: Er war ein genialer Musiker mit großartigen Texten, der Millionen von Menschen erreicht hat.

Michael Ostrowski: Mein Draht zu Udo Jürgens reicht in meine Kindheit zurück. Wer erinnert sich nicht an seinen Song „Vielen Dank für die Blumen" zur „Tom & Jerry"-Serie oder an den wunderbaren Text zu „Tausend Jahre sind ein Tag": Was ist Zeit? Was ist Zeit? Was ist Zeit? Diese Lieder habe ich als Heranwachsender Tausende Male gehört, und ich dachte immer: Der singt wirklich gut! Seine Musik hat mich ein Leben lang begleitet, ein bisschen wie die der Beatles. Udo Jürgens, denke ich, ist heute ein Teil der österreichischen Kultur.

Pasquale Aleardi: Bei den Vorbereitungen zu diesem Film habe ich gemerkt, wie gut komponiert und zeitlos Udos Lieder sind und wie sehr sie ins Mark treffen. Sie werden von einer gewaltigen Dramaturgie unterstützt, denn sonst würden sie einen kalt lassen. Bei unserer Kinopremiere in Berlin war ich zunächst skeptisch. Dann habe ich echt gestaunt, wie stark der Szenenapplaus war. Der bekannte und exzellente Schauspieler Oliver Masucci kam nachher zu mir und spendete mir für meine Leistung ein detailliertes und spezifisches Lob. Dabei hat er mir immer in die Augen geschaut, und ich wusste: Er meint es wirklich so. Nach den bisherigen Premieren bin ich mir sicher: Dieser Film macht glücklich.

Frau Makatsch, mit der Show- und Musikbranche von damals waren Sie ja auch schon konfrontiert, als Sie 2009 die legendäre Hildegard Knef gespielt haben?

„Ende der 80er-Jahre war Udo Jürgens ja nicht unbedingt der Sänger für 18-jährige Mädchen.“
Heike Makatsch (Schauspielerin)
„Ende der 80er-Jahre war Udo Jürgens ja nicht unbedingt der Sänger für 18-jährige Mädchen.“ Heike Makatsch (Schauspielerin)
- Universal

Makatsch: Da war es ähnlich. Ich kannte Lieder von ihr, doch ich hatte mich nicht so sehr damit beschäftigt. Ich war zu jung dafür.

In „Ich war noch niemals in New York" verkörpern Sie eine nervige TV-Moderatorin, die nahe daran ist, ihren Job zu verlieren. Erinnerte Sie das an die eigene Vergangenheit, als RTL 2 im Jahr 1997 die wöchentliche „Heike Makatsch Show" nach acht Folgen wegen mangelnder Publikumsresonanz absetzte?

Makatsch: Also, ich sehe die Moderatorin im Film, nachdem ich sie ja gespielt habe, nicht als nervige Person. Es gibt verlorene Dinge, die ihr einst wichtig waren und an deren Stelle sie Sachen gesetzt hat, die sie erfüllten. Das glaubt sie fälschlicherweise. Ja, und das mit RTL 2 ist schon sehr, sehr lange her. Das war kein unbedingt lebenswichtiger Einschnitt, aber so ist es halt im Leben. Solange man weiß, warum man etwas macht, kann man auch gut mit Misserfolgen leben oder damit, dass es halt von anderen nicht angenommen wurde. Aber das Leben geht weiter.

„Ich habe gemerkt, wie gut komponiert und zeitlos Udos Lieder sind.“
Pasquale Aleardi (Schauspieler)
„Ich habe gemerkt, wie gut komponiert und zeitlos Udos Lieder sind.“ Pasquale Aleardi (Schauspieler)
- Universal

Die Herren Ostrowski und Aleardi, zwei absolute Heteros und Familienväter, als schwules Paar. Wie sind Sie sich vorgekommen?

Aleardi: Meine beiden Söhne sind erst drei und eineinhalb Jahre alt, also noch zu klein, um den Film zu sehen. Aber ich freue mich, wenn sie einmal so weit sein werden, weil sie dabei auch lernen können, dass es verschiedene Arten von Liebe gibt.

Ostrowski: Ich bin dreifacher Vater und werde mit meinen Kindern „Ich war noch niemals in New York" sicher gemeinsam anschauen. Im Film bin ich ja blond und sehr weiblich geschminkt. Ich habe ihnen Fotos vom Dreh geschickt und sie haben mich nicht erkannt. Zumal ich auch rasiert war, wo ich mich doch seit Jahren nicht rasiert hatte. Auf den Bildern sah ich aus wie ein Zwölfjähriger. Aber gut, es ist ja Ziel eines Schauspielers, dass man in seinen Rollen ganz anders sein darf und voll drauf ist.

„Seine Musik hat mich ein Leben lang begleitet, ein bisschen wie die der Beatles.“
Michael Ostrowski (Schauspieler)
„Seine Musik hat mich ein Leben lang begleitet, ein bisschen wie die der Beatles.“ Michael Ostrowski (Schauspieler)
- Universal

Aleardi: Mich hat es mit dem Make-up auch ordentlich erwischt. Ich bin der Einzige, der eine Perücke tragen muss, außerdem haben sie mir blaue Kontaktlinsen verpasst und ich musste wie wahnsinnig trainieren. Doch das hatte Sinn. Alle Schwulen, die ich kenne, gehen erwiesenermaßen gern ins Fitness-Studio.

Gab es bei den Dreharbeiten zu „Ich war noch niemals in New York" Dinge, an die Sie sich speziell erinnern?

Makatsch: Ja, ich habe jene Sequenzen besonders geliebt, in denen ich mit Moritz Bleibtreu in einer Kiste lag. Da haben die beiden Gelegenheit, einander ihre Geschichten zu erzählen, und bei zweien, die einander spinnefeind sind, entwickelt sich auf einmal Liebe. Das hat Spaß gemacht, das waren toll geschriebene Texte mit einem tollen Partner.

Wie geht es in Ihrem beruflichen Leben weiter?

Makatsch: Ich bin mitten in den Dreharbeiten zu „Neun Tage wach", einem Crystal-Meth-Drama, in dem mein Sohn das Opfer ist. Vorher habe ich „Gott, du kannst ein Arsch sein" abgedreht, die Kinoadaption des gleichnamigen Buches von Frank Pape. Darin erzählt er vom Schicksal seiner Tochter Stefanie, die als kaum 16-Jährige erfährt, dass sie Krebs hat. In der kurzen Zeit, die ihr bleibt — es sind 296 Tage — feiert sie das Leben.

Aleardi: Ich spiele weiterhin die Rolle des Kommissars Dupin in den Bre­tagne-­TV-Krimis der ARD. Folge acht ist abgedreht. Diesmal fällt ihm im wortwörtlichen Sinn eine Leiche vor die Füße. Es wird richtig brutal, die Auflösung ist sehr heftig, und Dupin ist gezwungen, sich auch mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und erstmals tritt auch seine Mutter auf.

Ostrowski: Ich wirke im zweiten Teil der Passau-Krimis mit. Wir drehen im November in München und Passau. Außerdem bin ich in einem Kinofilm über Rainer Werner Fassbinder dabei. Und 2020 mach' ich, gemeinsam mit meinem Theater-im-Bahnhof-Partner Helmut Köpping, einen Kinofilm mit dem Titel „Der Onkel/The Hawk". Spielen werd' ich — den Onkel, wen sonst?

Das Gespräch führte Ludwig Heinrich


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