Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.11.2019


Kino

„Monos“: Greller Fiebertraum im grünen Dschungel

Alejandro Landes erzählt in „Monos“ von einer Gruppe jugendlicher Kämpfer im Guerilla-Krieg. Der intensivste Film dieses Kinojahres.

In den Anden auf fast 4000 Metern beginnt Alejandro Landes seinen Film „Monos“. Dann geht’s tief in den Dschungel.

© StadtkinoIn den Anden auf fast 4000 Metern beginnt Alejandro Landes seinen Film „Monos“. Dann geht’s tief in den Dschungel.



Innsbruck – Als „Monos“ Anfang dieses Jahres beim Sundance-Filmfestival sein­e Premiere feierte und den „World Cinema Special Jur­y Prize“ gewann, kam Südamerika ähnlich heftig auf die Leinwand wie nun wieder in die internationalen Nachrichten. Während überall auf dem Kontinent wieder Konflikte aufflammen, erzählt Regisseur Alejandro Landes von einem namenlosen, zeitlosen Guerilla-Krieg.

Dabei ist „Monos“ kein Kriegsfilm im herkömmlichen Sinne. Landes grenzt seine Geschichte auf acht jugendliche Guerilla-Kämpfende in einem entlegenen Unterschlupf ein. Ihre Aufgabe: die US-amerikanische Gefangene Doctor Sara Watson und eine Kuh namens Shakira zu bewachen. Sie tragen Kampfnamen wie Lobo (Wolf), Perro (Hund), Lady, BumBum oder Rambo, Letztere eine von drei jungen Kämpferinnen der Truppe, beeindruckend gespielt von Sofía Buenaventura. Doch der Film lässt trotz absurder Zwischentöne keinen Zweifel am Ernst ihrer Mission. Die acht sind keine Kinder, die Krieg spielen und so tun als ob. Das wird klar, als sie ein kleingewachsener Mensajero für eine Inspektion besucht. Dieser Bote wird vom ehemaligen FARC-Guerillero Wilson Salazar gespielt, der die Jugendlichen auch militärisch trainierte. Der jahrzehntelang­e Guerilla-Krieg in Kolumbien bietet den Hintergrund für einen Film, der ebenso gut in einer dystopischen Zukunft oder in irgendeinem anderen Land spielen könnte.

Regisseur Alejandro Lande­s: „In ,Monos‘ steht die Jugend als Metapher für Kolumbien als Nation. Es ist ein junges Land, das immer noch nach seiner Identität sucht. Der Traum vom Frieden ist zerbrechlich, zögerlich und periodisch wiederkehrend. Es geht weniger darum, das Phänomen der Kindersoldaten zu untersuchen, als von der Adoleszenz zu sprechen, dem Moment, wo wir anfangen zu verstehen oder darum ringen zu wissen, wer wir sind und wer wir gerne sein würden.“

„Monos“ ist also zugleich ein Coming-of-Age-Film über den Krieg der Pubertät. Im Gestus von „Herr der Fliegen“ und mit Anklängen an Franci­s Ford Coppolas „Apocalypse Now“ steigert sich der Film immer mehr in einen Fiebertraum hinein. Die ernste Disziplin der jungen Kämpfenden gerät immer mehr außer Kontrolle und wird zu einem überernsten Überlebensspiel ohne wirklichen Gegner, auße­r sich selbst.

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Landes arbeitet von Anfang an stark mit dem Setting, zuerst einem kargen Berg-Versteck hoch über den Wolken im Tal, dann im üppig-grünen Dschungel. Außerdem steuerte die britische Elektronik-Musikerin Mica Levi phänomenal-irritierende Musik bei. Die Dynamik und visuelle Wucht von „Monos“ zieht einen in eine intensive Kino-Erfahrung hinein wie vielleicht kein anderer Film in diesem Jahr. (maw)




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