Letztes Update am Sa, 16.11.2019 11:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bergdrama

Mountainfilm Festival: Gefühlvoller Nachruf auf David Lama

„In memoriam: David Lama“ von Hans-Peter Stauber lässt noch einmal alle wichtigen Stationen im Leben des jung verunglückten Ausnahme-Kletterers Revue passieren

Der Innsbrucker Alpinist David Lama auf einem Archivbild von 2018.

© rb content poolDer Innsbrucker Alpinist David Lama auf einem Archivbild von 2018.



Von Andreas Stangl/APA

Graz — Er wurde nur 28 Jahre alt. Im April dieses Jahres kam der Tiroler Extremkletterer mit nepalesischen Wurzeln, David Lama, bei einer schwierigen Bergtour in Kanada ums Leben. Servus TV-"Bergwelten"-Produzent Hans-Peter Stauber widmete dem vollendet kletternden Sportler ein fünfzigminütiges Porträtfeature, das Freitagabend beim Grazer Mountainfilm-Festival auf großes Interesse stieß.

In „In memoriam: David Lama" geht Stauber noch einmal alle wichtigen Stationen im kurzen Leben des Extremsportlers durch. Von dessen Kindheit, der frühen Entdeckung und Förderung seiner außergewöhnlichen Kletter-Begabung durch Peter Habeler, Serienerfolgen bei Hallenbewerben bis hin zur schrittweisen Entwicklung zu einem versierten Alpinisten, der sich stets der Gefahren des Sports und der Risiken bewusst war, die er immer wieder einging. Seine legendäre, gemeinsam mit Peter Ortner realisierte Begehung der berüchtigten Südwand des Cerro Torre (Argentinien) wird dabei zu einem Wendepunkt.

Lama, der im Film posthum oft selbst zu Wort kommt, gesteht darin freimütig ein, dass er bei seinem ersten Anlauf Fehler gemacht hat und sich viel zu wenig Gedanken gemacht hat. Das Unterfangen in Argentinien wurde damals wegen des als besonders brutal erachteten alpintechnischen Vorgehens der begleitenden Filmcrew heftig kritisiert.

Claudia und RinziLlama mit dem US-Alpinist Conrad Anker.
Claudia und RinziLlama mit dem US-Alpinist Conrad Anker.
- Festival Gorski/Aksienionek

Lama als Lebensretter

Nach mehreren Erstbegehungen in den Südtiroler und in den Osttiroler Dolomiten wagte sich Lama 2015 im Rahmen einer gemeinsamen Nepalreise mit seinen Eltern Claudia und Rinzi Lama zu seinen familiären Wurzeln, an den 6907 Meter hohen Lunag Ri. Beim ersten Versuch, den Gipfel über den Westpfeiler zu erreichen, rettete er seinem Partner, US-Kletterlegende Conrad Anker, vermutlich das Leben. Lama brach den Aufstieg sofort ab, als sich bei Anker Anzeichen für schwere Herzprobleme einstellten.

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Im April 2019 versuchte Lama gemeinsam mit Hansjörg Auer und Jess Roskelley den 3.290 Meter hohen Howse Peak in den kanadischen Rocky Mountains über die als besonders schwierig bekannte Ostseite zu besteigen. Eine Lawine überraschte die drei Bergsteiger. Jede Hilfe kam, nicht zuletzt wegen der schlechten Wetterverhältnisse, zu spät. Was bleibt, ist die Geschichte eines außergewöhnlichen Kletterers, der im Alpinismus neue Maßstäbe gesetzt hat und die eines Menschen, der durch das Leben seines Traumes zu einer seltenen Reife gelangt ist. Stauber stellt David Lamas Lebensmotto an das Ende seines Films: „Wer Angst vor dem Tod hat, hat Angst vor dem Leben."

Der Everest und seine Erstbesteiger im Fokus

Das Volk der Sherpa und der mit ihnen schicksalhaft verbundene Mount Everest waren am Freitagabend zentrales Thema beim Mountainfilm Festival in Graz. Highlight war der erstmalige Graz-Besuch von Tashi Tenzing, dem Enkel des legendären Tenzing Norgay, der gemeinsam mit Sir Edmund Hillary am 29. Mai 1953 als erster Mensch den Gipfel des mit 8848 Metern höchsten Bergs der Welt erreicht hatte.

In dem selbst gestalteten Multivisionsvortrag "Beyond the edge - Journey to the summit of Everest" (Jenseits der Grenze - Reise zum Gipfel des Everest) referierte der 1965 in Indien geborene Erstbesteiger-Enkel anhand von teilweise legendärem, teils bisher ungesehenem Foto- und Bildmaterial über seine eigene Begeisterung für den Alpinismus, die Geschichte der Sherpas allgemein und jene der Familie der Tenzings.

Dabei war - auch für Kenner - einiges Interessante und wohl auch Neue zu erfahren. So zum Beispiel, dass die Sherpa ("Das Volk aus dem Osten") ursprünglich mit dem Bewältigen hoher Gipfel nichts zu tun hatten, sondern lediglich in das Himalaya-Gebiet eingewanderte, einfache Bauern waren.

Das Publikum erfuhr auch, warum die Sherpa in der Regel nicht im Camp 3 auf der Hauptaufstiegsroute zum Mount Everest übernachten. Dort sollen nämlich die Geister der bei den Expeditionen umgekommenen Bergsteiger umgehen. Die Geschichte habe ihn fasziniert und er habe selbst extra dort übernachtet, weil Tashi hoffte, einem der Gespenster zu begegnen. Das sei jedoch nicht der Fall gewesen und es sei sein Onkel Lobsang gewesen, der dafür eine einleuchtende Erklärung hatte: Tashi habe die Geister mit seinem lauten Schnarchen verjagt.

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