Letztes Update am Do, 05.12.2019 09:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zehn Nominierungen

„Little Joe“ als großer Favorit beim Österreichischen Filmpreis 2020

Mit zehn Nominierungen ist der Film von Jessica Hauser der Spitzenreiter. Mit sieben Nominierungen Marie Kreutzers Psychostudie „Der Boden unter den Füßen“.

Rote Blumen auf dem Roten Teppich: Szene aus Jessica Hausners Film "Little Joe".

© APA/Coop99Rote Blumen auf dem Roten Teppich: Szene aus Jessica Hausners Film "Little Joe".



Wien – Jessica Hausners „Little Joe“ wurde bereits bei seiner Weltpremiere in Cannes mit dem Preis für die beste Schauspielerin an Emily Beecham gewürdigt. Beim 10. Österreichischen Filmpreis, der am 30. Jänner in Grafenegg vergeben wird, kann die Psychoparabel nun nachlegen: Mit zehn Nominierungen geht das Werk als Favorit in die Gala, wie bei der Präsentation am Mittwoch in Wien bekanntgegeben wurde.

Insgesamt ist das Nominiertenfeld dieses Mal ein starkes Votum für das weibliche Filmschaffen, finden sich doch sowohl in der Sparte Regie als auch in jener des Besten Spielfilms ausschließlich Arbeiten, die von Frauen geschaffen wurden. „Little Joe“ ist dabei in praktisch allen zentralen Kategorien mit im Rennen - von der Königssparte Bester Spielfilm über die Regie bis hin zu Drehbuch. Auch Cannes-Gewinnerin Beecham kann erneut auf die Trophäe für die beste Darstellerin hoffen.

Mit einem gewissen Respektabstand folgt mit sieben Nominierungen Marie Kreutzers Psychostudie „Der Boden unter den Füßen“, die heuer im Wettbewerb der Berlinale stand und nun ebenfalls um den besten österreichischen Spielfilm konkurriert. Hinzu kommen Nennungen in den Sparten Regie für Kreutzer, Darstellerin für Valerie Pachner oder mit Pia Hierzegger und Mavie Hörbiger gleich zwei Nominierungen bei den Nebendarstellerinnen.

Mercedes Echerer, Obfrau der Akademie des Österreichischen Films, und Schauspieler und Vorstandsmitglied Andreas Kiendl bei der Präsentation der Nominierten.
Mercedes Echerer, Obfrau der Akademie des Österreichischen Films, und Schauspieler und Vorstandsmitglied Andreas Kiendl bei der Präsentation der Nominierten.
- APA

Das Trio der Nominierten für den besten Spielfilm komplettiert Sudabeh Mortezais Straßenstrichporträt „Joy“, das insgesamt auf sechs Nominierungen blicken kann – darunter in den Kategorien Regie und Drehbuch für Mortezai oder Beste Darstellerin für Joy Anwulika Alphonsus. Auf ebenfalls sechs Siegchancen kommt „Nevrland“, das Langfilmdebüt von Regisseur Gregor Schmidinger, darunter mit gleich zwei Eisen im Feuer bei den Nebendarstellern: Josef Hader und Wolfgang Hübsch.

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Die Sparte der besten Hauptdarsteller teilen sich indes drei Schauspieler mit ihrer Leistung in Filmen, die nicht an der Spitze des Nominierungsreigens stehen, sondern je auf drei Nennungen kommen. Hier treten Georg Friedrich für seinen Part in der Komödie „Kaviar“, Valentin Hagg für seine Rolle in der Heller-Biografie „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ sowie Tobias Moretti für seine Interpretation eines Boxtrainers in Hüseyin Tabaks „Gipsy Queen“ gegeneinander an. Und schlussendlich gehen bei den Dokumentarfilmen vier Werke ins Rennen: „Bewegungen eines nahen Bergs“ von Sebastian Brameshuber, „Erde“ von Nikolaus Geyrhalter, „Gehört, gesehen - Ein Radiofilm“ von Jakob Brossmann und David Paede sowie „Inland“ von Ulli Gladik.

500 Akademie-Mitglieder haben nun die Wahl

Aus der Reihe der Nominierten wählen nun die gut 500 Mitglieder der Akademie des Österreichischen Films die Sieger. Enthüllt werden die Gewinner 2020 wieder in Grafenegg, wo die Preisgala im jährlichen Wechsel mit Wien stattfindet. Die Regie bei der unter dem Nachhaltigkeitsmotto „Green Film“ stehenden Show, die mit der Kategorie des besucherstärksten Films heuer auch eine neue Sparte aufweisen kann, wird dabei zum zweiten Mal Mirjam Unger übernehmen. Moderieren werden die Schauspielerin Salka Weber und der Regisseur Markus Schleinzer.

Selbstkritisch bezüglich des Außenauftritts der Akademie zeigte sich am Mittwoch Präsident Stefan Ruzowitzky. Nach der dezidiert politischen Verleihung 2019, bei der von den Proponenten auf der Bühne vielfach die damalige türkis-blaue Regierung ins Visier genommen wurde, habe es viel Zuspruch, aber auch Protest aus den eigenen Reihen gegeben. Schließlich bilde die Akademie zu Recht ein Spektrum an Mitgliedern ab, das von den „Klappe auf“-Aktivisten bis zu Christiane Hörbiger reiche. „Die Akademie als Institution will auch in Zukunft Haltung zeigen“, stellte Ruzowitzky klar. Ziel müsse dabei aber sein, über der Parteipolitik zu stehen: „Das wird nicht einfach werden, da immer die Balance zu finden.“ (APA)

Die Nominierten in allen Kategorien

Bester Spielfilm

„Der Boden unter den Füßen“ von Marie Kreutzer

„Joy“ von Sudabeh Mortezai

„Little Joe“ von Jessica Hausner

Bester Dokumentarfilm

„Bewegungen eines nahen Bergs“ von Sebastian Brameshuber

„Erde“ von Nikolaus Geyrhalter

„Gehört, gesehen - Ein Radiofilm“ von Jakob Brossmann/David Paede

„Inland“ von Ulli Gladik

Bester Kurzfilm

„Apfelmus“ von Alexander Gratzer

„Boomerang“ von Kurdwin Ayub

„Freigang“ von Martin Winter

Beste weibliche Hauptrolle

Joy Anwulika Alphonsus in „Joy“

Emily Beecham in „Little Joe“

Valerie Pachner in „Der Boden unter den Füßen“

Beste männliche Hauptrolle

Georg Friedrich in „Kaviar“

Valentin Hagg in „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“

Tobias Moretti in „Gipsy Queen“

Beste weibliche Nebenrolle

Gerti Drassl in „Ein wilder Sommer - Die Wachausaga“

Kerry Fox in „Little Joe“

Pia Hierzegger in „Der Boden unter den Füßen“

Mavie Hörbiger in „Der Boden unter den Füßen“

Beste männliche Nebenrolle

Josef Hader in „Nevrland“

Wolfgang Hübsch in „Nevrland“

Heinz Trixner in „Ein wilder Sommer - Die Wachausaga“

Beste Regie

Jessica Hausner, „Little Joe“

Marie Kreutzer, „Der Boden unter den Füßen“

Sudabeh Mortezai, „Joy“

Bestes Drehbuch

Jessica Hausner/Geraldine Bajard, „Little Joe“

Sudabeh Mortezai, „Joy“

Hüseyin Tabak, „Gipsy Queen“

Beste Kamera

Martin Gschlacht, „Little Joe“

Klemens Hufnagl, „Joy“

Leena Koppe, „Der Boden unter den Füßen“

Jo Molitoris, „Nevrland“

Bestes Kostümbild

Tanja Hausner, „Little Joe“

Christine Ludwig, „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“

Carola Pizzini, „Joy“

Beste Maske

Sam Dopona, „Kaviar“

Helene Lang/Roman Braunhofer, „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“

Heiko Schmidt, „Little Joe“

Beste Musik

Kyrre Kvam, „Der Boden unter den Füßen“

Karwan Marouf, „Kaviar“

Wolfgang Mitterer, „Die Kinder der Toten“

Judit Varga, „Gipsy Queen“

Bester Schnitt

Gerd Berner, „Nevrland“

Peter Brunner, „To the Night“

Alarich Lenz, „Nobadi“

Karina Ressler, „Little Joe“

Bestes Szenenbild

Christoph Kanter, „Kalte Füße“

Conrad Moritz Reinhardt, „Nevrland“

Katharina Wöppermann, „Little Joe“

Beste Tongestaltung

Pavel Cuzuioc, Simon Graf, Lenka Mikulova, Hjalti Bager-Jonathansson, Nora Czamler, Andreas Hamza, Eva Hausberger, Florian Kindlinger, Alexander Koller: „Erde“

Gregor Kienel, Thomas Pötz, Rudolf Gottsberger, Thomas Pötz: „Nevrland“

William Edouard Franck, Philipp Mosser, Reinhard Schweiger, Bernhard Maisch: „Nobadi“


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