Letztes Update am Sa, 15.02.2014 20:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


64. Berlinale

Goldener Bär für chinesischen Krimi, Friedensfilmpreis geht nach Tirol

Der chinesische Krimi „Bai Ri Yan Huo“ ist der Gewinnerfilm auf der Berlinale. Der Tiroler Hubert Sauper wurde mit dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet.



Berlin – Das asiatische Kino ist der große Gewinner der 64. Berlinale. Es war letztendlich nicht der Publikums- und Kritikerliebling „Boyhood“, der heute Abend im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz den Goldenen Bären mit nach Hause nehmen durfte. Zum Gewinnerfilm der Internationalen Filmfestspiele Berlin wurde von der Jury der chinesische Krimi „Bai Ri Yan Huo“ („Schwarze Kohle, dünnes Eis“) von Yinan Diao gekürt.

Die im Stil des Film noir gedrehte Detektivstory ist ein düsteres Puzzle aus Liebe, Rache und sexueller Gier in einer Gesellschaft ohne Moral. „Manche Verbrechen wirken auf mich wie Spiegel unserer Gegenwart“, so der Filmemacher. Zugleich betonte der bei der Preisverleihung sichtlich bewegte Yinan Diao: „Eine besondere politische Bedeutung hat der Film nicht.“ Einen Bären gab es auch für den Hauptdarsteller des Films. Der 40-jährige Fan Liao wurde als bester Schauspieler geehrt. Der Goldene Bär war zuletzt im Jahr 2007 mit „Tuyas Hochzeit“ von Wang Quan‘an an einen chinesischen Film vergeben worden.

Preise auch für Linklater und Anderson

Auch der Preis für die beste Kamera ging in diesem Jahr nach China: Jian Zeng erhielt den Preis für seine Bilder zum Drama „Tui Na“ („Blinde Massage“). Der US-Filmemacher Richard Linklater konnte sich immerhin über den Silbernen Bären für sein Drama „Boyhood“ freuen. Die Berlinale-Jury sprach Linklater den Regie-Preis für sein Langzeit-Spielfilmprojekt über das Heranwachsen eines Jungen aus Texas zu. Linklater gewann mit „Before Sunrise“ im Jahr 1995 bereits einmal den Silbernen Bären für die beste Regie. Der Große Preis der Berlinale-Jury wurde an Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ vergeben. Der US-Regisseur erhielt in Abwesenheit den Silbernen Bären für seine mit Stars wie Ralph Fiennes, Bill Murray und Willem Dafoe besetzte Komödie.

Den Silbernen Bären als beste Schauspielerin erhielt im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz die 23-jährige Japanerin Haru Kuroki für ihre Rolle eines Dienstmädchens in „Chiisai Ouchi“ („Das kleine Haus“) von Yoji Yamada. Die einzige Auszeichnung für einen deutschen Film ging mit dem Silbernen Bären für das beste Drehbuch an Dietrich und Anna Brüggemanns „Kreuzweg“. Der österreichische Film „Macondo“ ging leer aus.

Friedensfilmpreis geht nach Tirol

Dafür konnte sich Tirol über einen Erfolg freuen. Der Kitzbühler Regisseur Hubert Sauper wurde für seine Dokumentation „We come as friends“ mit dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und steht unter der Schirmherrschaft der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs IPPNW. Bereits im Jänner war der Film über Kolonialisierung und Slaverei auf dem Sundance Film Festival erfolgreich, wo Sauper mit dem Jury-Spezialpreis für „Filmischen Mut“ geehrt wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sauper die Blicke der Filmwelt und des Publikums auf sich zieht. Vor zehn Jahren feierte er mit seinem Dokumentarfilm „Darwin‘s Nightmare“ einen Welterfolg. Gezeigt wurden heuer auf der Berlinale 400 Produktionen aus aller Welt. 20 Filme traten im Wettbewerb um die Trophäen an. Vorsitzender der Jury war dieses Jahr „Brokeback Mountain“-Produzent James Schamus, auch der zweifache Oscar-Preisträger Christoph Waltz und „James Bond“-Produzentin Barbara Broccoli durften mit entscheiden. (APA/dpa/TT)


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