Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.06.2015


Kunst

Das Heilige liegt im Auge des Betrachters

Zwei Reisen haben die Griechin Stefania Strouza zu ihrer jüngsten Arbeit inspiriert, deren fünfter Akt in der Neuen Galerie Premiere hat.

© tiroler künstlerschaftFoto von Stefania Strouza, collagiert aus Standbildern eines Dokumentarfilms über die legendäre Reise auf der Patris II von 1933.Foto: Tiroler Künstlerschaft



Von Edith Schlocker

Innsbruck –Stefania Strouza mag das Ambivalente. Geboren in Athen, pendelt die Künstlerin nun zwischen ihrer Heimatstadt und Wien. Hier hat sie erst heuer bei Martin Zobernig ihr Studium der Bildhauerei abgeschlossen, nachdem sie in Athen Architektur studiert hat. Zwei Ansätze, die sich deutlich auch in ihrer konzeptuellen Arbeit zeigen.

Die Strouza gern in mehreren Akten inszeniert. Teil fünf ihrer reizvoll zwischen festgelegten künstlerischen Praxen lavierenden Arbeit mit dem Titel „To a certain degree sacredness is in the eye of the beholder“ ist nun in der Neuen Galerie zu sehen. Maßgeschneidert auf dessen vier kleine Räume. Und zelebriert in der Form von Fotocollagen, Skulpturen und textilen Objekten als einzige große Installation.

Um deren intellektuelle Hintergründe zu wissen, erleichtert das Verständis eindeutig. Funktioniert aber auch rein optisch, weiß man nicht, dass sich Stefania Strouza zu ihrer Arbeit von zwei historischen Ereignissen inspirieren ließ. Der legendären Schiffsreise auf der Patris II im Jahr 1933, bei der so wichtige Köpfe der damaligen Avantgarde wie Le Corbusier, Moholy-Nagy oder Léger von Marseille nach Athen reisten, um über die „Funktionale Stadt“ zu diskutieren. Zweite Quelle der Inspiration von Strouza ist der 36 Jahre später von Pier Paolo Pasolini inszenierte Film „Medea“. Da wie dort geht es um Reisen im realen wie metaphorischen Sinn. Um die scheinbare Unvereinbarkeit der Kulturen, von Anike und Moderne.

Diese Kontroverse zieht sich durch die ganze Schau. Beginnend mit der wie ein modernes Architekturmodell daherkommenden, in Beton gegossenen Skulptur, die Strouza in das galeristische Schaufenster gestellt hat. Zum antiken Säulenstumpf abgewandelt taucht sie auch in weiteren Sequenzen der Schau auf, genauso wie in einer Reihe zur Struktur reduzierter Fotos und Raummustern aus Stahl. Pathos ist im „Allerheiligsten“ ganz am Ende angesagt. Wo ein opulent mit einem archaisch anutenden Muster bedruckter Stoff über eine klassisch moderne gittrige Struktur drapiert ist. Was trotz aller Gegensätzlichkeit wunderbar passt.