Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.09.2015


Kunst

Die Illusion in der Realität verwurzeln

Vom Recht, ein Kind zu sein, und von Kindern auf der Flucht erzählt ein aufwändiges Kunst- und Bildungsprojekt in Hall.

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© Ubuntu



Hall – Auch am Nachmittag sind Anas (13), Farsad (16) und Mohammed (15) wieder zum Workshop ins Haller Franziskanergymnasium gekommen. Es ist nicht weit vom BIWAK, der Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von SOS Kinderdorf, wo sie vor Kurzem eine Bleibe gefunden haben. Sie kämen aber vor allem wegen Sami Ajouri, sagen die drei lachend, einem der internationalen Künstler, der hier mit den Kindern arbeitet. Seit sie nach Österreich gekommen sind, ist Ajouri der erste Syrer, mit dem sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten können.

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Fassaden für kleine Holzhäuschen werden hier bemalt, ein „illusionistisches Dorf der Kinderrechte“ ist am Entstehen. Mehrere Spiel- und Kreativworkshops sind im Rahmen des zweiwöchigen Kunst- und Bildungsprojektes „Das Recht, ein Kind zu sein“ angesetzt. Unter Federführung der Initiative „Lass die Kinder spielen“, die die beiden Künstler Lukas Hüller und Hannes Seebacher 2000 ins Leben gerufen haben, wird gehämmert und gezimmert. „So ein größenwahnsinniges Projekt haben wir hier überhaupt noch nie gemacht“, sagt eine Schülerin der siebten Klasse freudestrahlend. 500 Kinder und Jugendliche werden bei der abschließenden Großbild-Inszenierung diesen Freitag am Oberen Stadtplatz Hall mit dabei sein. Solche großformatigen „Wimmelbilder“ hat der Fotograf Lukas Hüller bereits in mehreren Ländern realisiert. Das Gemälde „Die Kinderspiele“ von Pieter Bruegel diente als Ausgangspunkt seiner aufwändigen Inszenierungen, in denen stets das Spiel im Zentrum steht. Auch im Flüchtlingslager Saatari ist eine Fotografie entstanden, die Momentaufnahme mit dem Titel „Post Refugee City“ wurde im Rahmen der Linzer Ars Electronica präsentiert. Hunderte Kinder der 80.000 Einwohner zählenden Containerstadt im Norden Jordaniens konnten sich trotz anfänglicher Skepsis rasch für das Projekt begeistern. Sie bilden gemeinsam einen Baum, wo dieser Wurzeln schlägt, keimt der Same der Hoffnung. „Schatten war das ursprüngliche Thema in Saatari“, erzählt der Tiroler Hannes Seebacher.

Auch in Hall wurde mit den Kindern nach passenden Symbolen gesucht, ein Fluss wird nun durch das Bild fließen, darauf schwimmt das „Boat of Hope“, kein Flüchtlingsboot, „sondern das Boot der Menschheit“, sagt Hüller. Angesichts der Flut an schrecklichen Bildern dieser Flüchtlingskrise sei es wichtig, positive Bilder zu zeigen. Ein cooles Projekt, finden auch die drei jungen Syrer. Kein Kind sollte ohne Eltern fliehen müssen, sagen sie. Dass alle Kinder gleich sind, ist ihrer Ansicht nach das wichtigste Kinderrecht. Das Resultat der Bildinszenierung wird ab 20. November in der Burg Hasegg gezeigt. (sire)