Letztes Update am Mo, 07.12.2015 08:25

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kunst

Dürer-Kenner ordnete dem Meister neues Werk zu

Der Holzschnitt von 1497 sei ein Druckerzeichen für den Leipziger Verleger Konrad Kachelofen gewesen, schreibt Schauerte, der Leiter des Nürnberger Dürer-Hauses, in seinem neuen Buch „Dürer & Celtis - Die Nürnberger Poetenschule im Aufbruch“.

Die Abbildung der Bilder Albrecht Dürers, "Herkules", "Männerbad" und "Reiter und Landsknecht", sind im Buch des Nürnberger Dürer-Experten Schauerte  zu sehen. Schauerte ist sich sicher, dass die drei Bilder zusammengehören.

© APA/dpa/KarmannDie Abbildung der Bilder Albrecht Dürers, "Herkules", "Männerbad" und "Reiter und Landsknecht", sind im Buch des Nürnberger Dürer-Experten Schauerte zu sehen. Schauerte ist sich sicher, dass die drei Bilder zusammengehören.



Nürnberg – Der Nürnberger Dürer-Experte Thomas Schauerte hat dem berühmten Maler ein neues Werk zugeordnet. Der Holzschnitt von 1497 sei ein Druckerzeichen für den Leipziger Verleger Konrad Kachelofen gewesen, schreibt Schauerte, der Leiter des Nürnberger Dürer-Hauses, in seinem neuen Buch „Dürer & Celtis - Die Nürnberger Poetenschule im Aufbruch“.

Der Kontakt von Albrecht Dürer (1471-1528) und Kachelofen sei über den Humanisten Konrad Celtis zustande gekommen, der mit Dürer zusammengearbeitet habe. Bisher war der Urheber des Holzschnitts unbekannt.

„Vor dem Jahr 1500 hatte man bei Grafiken sehr viel mit anonymen Meistern zu tun“, sagte Schauerte. Da habe meist niemand versucht, den Urheber herauszufinden. Unter Buchkundigen habe das Druckerzeichen jedoch eine gewisse Berühmtheit gehabt, weil es so gut gemacht sei. Dazu sei in dieser Zeit nur Dürer in der Lage gewesen. Dass der Holzschnitt von Dürer stammt, könne jedoch nicht aufgrund des Stils bewiesen werden, sondern nur auf kulturhistorischem Weg, sagte Schauerte. Der Dürer-Experte hatte den Holzschnitt in der Bibliothek Wolfenbüttel aufgestöbert.

Außerdem ist Schauerte sich sicher, dass die drei bisher als Einzelwerke gesehenen Bilder „Herkules“, „Männerbad“ und „Reiter und Landsknecht“ zusammengehören. Sie stammen aus dem Jahr 1496, haben die gleiche Größe und befassen sich mit einem nicht-christlichen Inhalt. Lege man sie nebeneinander, zeige sich zudem eine durchgehende Horizontlinie und ein Hügel, der sich von einem Bild zum anderen fortsetzt.

Schauerte glaubt zudem, dass sich Dürer im Bild „Männerbad“ selbst verewigt hat - als Zuschauer hinter einem Zaun, der auf eine Gruppe badender Männer blickt. „Dürer hat sich immer mal wieder in seine Gemälde geschmuggelt“, sagte Schauerte - etwa in einen Holzschnitt von 1501, wo sich Dürer als Teil einer Gruppe von Männern gezeichnet habe. „Und diese beiden Figuren sehen sich ähnlich.“

Erwiesen sei diese These zwar nicht, es passe von der Bildbedeutung aber gut: Die Badenden seien u.a. die griechischen Philosophen Sokrates und Platon. Und da Dürer kein Latein konnte, sei er von den Humanisten stets ausgeschlossen worden. Beeinflusst worden sei Dürers Frühwerk stark von seinem „geistigen Ziehvater“ Celtis, mit dem er ab 1495 zusammengearbeitet habe. (APA/dpa)