Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Kunst

Zweidimensionale Farbräume

Überraschend Neues von Florin Kompatscher in der Innsbrucker Galerie Thoman.

Erfindet sich ständig neu: 2015 hat der in Berlin lebende Südtiroler Florin Kompatscher dieses titellose Bild gemalt. <span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Galerie Thoman/Borchardt</span>

© galerie thomanErfindet sich ständig neu: 2015 hat der in Berlin lebende Südtiroler Florin Kompatscher dieses titellose Bild gemalt. Foto: Galerie Thoman/Borchardt



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Dass für Florin Kompatscher die Malerei die „Königsdisziplin“ ist, führt der in Berlin lebende Südtiroler durch großformatige Leinwände vor. Die aber immer auch den Zeichner erahnen lassen, als den man ihn – auch – in Erinnerung hat. Das sei allerdings sehr lange her, lacht der 55-Jährige, der es nach der Kunstschule in Gröden und der Wiener Angewandten seit vielen Jahren schafft, sich in der Kunstmetropole Berlin zu behaupten.

Basis von Kompatschers überraschenden neuen Bildern ist ein mit Vertikalen und Horizontalen spielendes geometrisches Gerüst, gebildet aus den Primärfarben Rot, Gelb und Blau. Diese streng konzeptuelle Vorgabe wird überlagert von einem freien Spiel mit Farben und Formen, die ganz intuitiv entstanden zu sein scheinen. Kompatscher glaubt allerdings nicht an den Zufall in der Malerei, wisse er doch eigentlich immer, was er tue. Um allerdings zuzugeben, sich doch immer wieder gern von seinem eigenen Tun überraschen zu lassen.

Bei dem es um nichts anderes als um pure Malerei geht. Will er in seinen ganz bewusst titellosen Bildern doch nichts Reales abbilden und auch keine Stimmungen transportieren. Denn worum es hier geht, ist das Erschaffen von virtuellen Räumen im Zweidimensionalen. Die oft parallel zueinander entstehen, fände er doch beim Arbeiten an einem Bild oft die Lösung, wie es bei einem anderen weitergehen soll, so der Künstler.

Wobei die Bilder komplett unterschiedlich daherkommen. Da gibt es welche, die zu explodieren scheinen, während andere farbig differenziert vor sich hinflimmern. Immer wieder durchfliegen Formfetzen die Malgründe, durchbrechen oder überlagern das lineare Konstrukt, die immer lasierend dünn aufgetragenen Farben vermischen sich zu neuen oder verspritzen fein.