Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.02.2016


Tirol

Weiler-Friese: Schwerarbeit mit Feingefühl

Die Abnahme der Weiler-Friese aus den Innsbrucker Stadtsälen war eine Weltpremiere. Pionierarbeit ist nun auch ihre Restaurierung.

© Julia HammerleRestaurator Johannes Stephan Schlögl mit den noch nicht restaurierten Elementen der riesigen Wandbilder.



Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck – Eine von vielen Hallen auf dem Gelände des Landesbauhofs in Innsbruck: Hinter den grünen Toren lagern Teile der beiden 28 Meter langen und 2,60 Meter breiten Friese des Tiroler Künstlers Max Weiler aus den im Herbst abgebrochenen Innsbrucker Stadtsälen. Die unter Denkmalschutz stehenden Wandgemälde mit einer Fläche von jeweils 73 Quadratmetern werden derzeit Stück für Stück restauriert.

Bevor Peter Berzobohaty mit der Arbeit an den Malereien selbst beginnen kann, werden diese von Johannes Stephan Schlögl und seinen Männern auf neuen Trägerplatten fixiert. Eine wirklich große Sache und Schwerarbeit, denn jedes der insgesamt zehn fünf Meter langen Elemente wiegt 1800 Kilogramm. Zwei weitere Teile sind drei Meter lang und entsprechend leichter.

Um sie manövrieren zu können, musste die Halle adaptiert werden – mit Kettenzügen und einem speziell angefertigten Wagen auf Schienen. Damit werden die Friese Zentimeter für Zentimeter über die Diamant-Seilsäge bewegt. Sie trennt die Bilder von der alten Trägerschicht aus Holz, Heraklith und mit Ziegeln überzogenem Stahlgitter. Eine Pionierarbeit, wie Restaurator Schlögl sagt, aber notwendig, um Erschütterungen zu vermeiden, die mit einer herkömmlichen Säge unvermeidbar wären. Die Bilder könnten Schaden erleiden.

Schon bei der Abnahme von den Holzträgern an den Wänden in den Stadtsälen kam aus Platzgründen die spezielle Diamant-Seilsäge zur Anwendung – eine heikle Aufgabe, denn mit ihr können zwar härteste Materialien, aber eigentlich kein Holz geschnitten werden. Damit es wegen der großen Hitze während der Arbeiten nicht Feuer fing, standen Brandlöscher bereit.

Nächster Schritt ist nun die Anbringung der neuen Trägerschicht – Verbundplatten, wie sie im Flugzeugbau verwendet werden. „Sie wiegen wenig und halten mörderisch“, so Schlögl. Zum Schluss folgen Stahlrahmen. Damit werden die großen Teile statt 1800 Kilogramm jeweils rund drei Tonnen wiegen, jedes der beiden 28 Meter langen Bilder schließlich 16 Tonnen. „Die Bilder brauchen eine stabile neue Aufhängung. Es geht darum, die einzelnen Teile zu fixieren, sonst könnten Risse entstehen“, so der Restaurator. Die Arbeiten werden in enger Koordination mit der Immobiliengesellschaft der Stadt Innsbruck (IIG) und dem Bundesdenkmalamt durchgeführt. Sie werden noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Die ersten Elemente sind bereits fertig und wurden in ein Lager in Innsbruck gebracht. Dort sollen sie bleiben, bis sie im Neubau des Management Centers Innsbruck (MCI) aufgehängt werden. „Die Wiederanbringung ist Teil des Architektenwettbewerbs“, sagt Gabriele Neumann vom Bundesdenkmalamt in Innsbruck. Nach der Restaurierung der wieder zusammengesetzten Teile werden die Schnittstellen nicht mehr erkennbar sein.

Die in zwölf Teile geschnittenen Wandbilder bekommen eine neue Trägerschicht aus Verbundplatten, wie sie im Flugzeugbau verwendet werden, und anschließend einen Stahlrahmen.
- Julia Hammerle