Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.05.2016


Innsbrucker Subkulturarchiv

Subversive Strömungen auf Abruf

Im Herbst soll das Innsbrucker Subkulturarchiv präsentiert werden. Die Sammlung ist noch lange nicht abgeschlossen.

© Silvana ReschAlbrecht Dornauer (l.) und Maurice Kumar suchen Gegenstände wie Fotos oder Platten – insbesondere auch aus den 60er-, 70er-Jahren.Foto: Resch



Innsbruck – In einem Innsbrucker Antiquariat wird derzeit ein Poster vom Pfingstfestival am Bergisel 1987 für 450 Euro angeboten. „So viel können wir freilich nicht auslegen“, sagt Albrecht Dornauer, einer der beiden Initiatoren des Innsbrucker Subkulturarchivs, das im Herbst in der p.m.k. und im Innsbrucker Stadtarchiv präsentiert werden soll. Dornauer und sein Kollege Maurice Kumar – „Ich interessiere mich mehr für Musik, Maurice für Orte“ – haben in den vergangenen zwei Jahren eine beeindruckende Fülle an Dokumenten und Tonträgern zusammengetragen. Gesammelt wird alles, was mit der Innsbrucker Musikszene von 1955 bis heute zu tun hat: Fotos, Kassetten, Platten, Flyer, Plakate oder Zeitungsartikel. Einen Vorgeschmack auf die beeindruckende Datenbank www.subkulturarchiv.at, die im Herbst online gehen soll, liefert, wenn auch in ungeordneter Form, die Facebookseite des Subkul­turarchivs. Dort sind Fotos von Bands wie dem ersten Innsbrucker HipHop-Duo Total Chaos zu sehen, knapp darüber ein Schwarzweiß-Schnappschuss von Miles Davis, dem Headliner des eingangs erwähnten Pfingstfestivals. „Gut bis lückenlos“ sei die Sammlung an Programmheften und Siebdruck-Plakaten des einstigen Kulturzentrums Utopia (heute befindet sich an diesem Standort der Weekender Club), das sich 1987 mit der Veranstaltung des zweitägigen Festivals finanziell übernommen hatte. Auch zahlreiche Dokumente zum Haus am Haven (bis 1993 an der Stelle, wo heute das VAZ Hafen ist) können ab Herbst online durchstöbert werden – der Haven, ein kultureller Freiraum, wie es ihn seitdem in Innsbruck nicht mehr gegeben hat.

Das 2014 von den stadt_potenzialen mit 10.000 Euro geförderte Subkulturarchiv hat aber freilich noch gewisse Leerstellen, gesucht werde nach wie vor, vor allem was die 60er- und 70er-Jahre anbelangt, sei man über Gegenstände aller Art froh. Den beiden Subkulturarchivaren geht es aber nicht nur um die Sichtbarmachung von Szenen und Strömungen abseits des Mainstreams. Unter dem Motto „Rock the Archive“ wurde in Kooperation mit der Uni Innsbruck vergangene Woche ein eintägiger Workshop in der Innsbrucker Bäckerei abgehalten. Initiativen wie das Wiener Trash Rock Archive oder das Rockarchiv Steiermark trafen sich dabei zu einem ersten Erfahrungsaustausch, was die Archivierung von Pop- und Subkultur anbelangt. „Neben Kontinuität wäre es wichtig, gemeinsame Standards zu schaffen“, so Dornauer über die wichtigsten Erkenntnisse des Tages. Mehr Info: www.subkulturarchiv.at oder unter Archive-IT/Das Subkulturarchiv auf Facebook. (sire)




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