Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.09.2016


Kufstein

Alte Kreuzwegtradition mit moderner Kunst verbunden

Das Passionsspieldorf Erl verdankt einer Privatinitiative, dass es den ersten Kreuzweg des bekannten Künstlers Prof. Anton Christian beherbergt.

© OtterErwin Thrainer, Anton Christian und Peter Bachmann (von links) bei der Montage des ersten Druckes.



Von Wolfgang Otter

Erl – Zwischen Anton Christian und Erl besteht eine besondere künstlerische Verbindung. So stammt vom bekannten Tiroler Künstler das Plakat zu den Passionsspielen. Und auch das neueste Kunstprojekt geht auf die Passionsspiele bzw. die Freundschaft mit Erwin Thrainer, dem langjährigen Geschäftsführer des Passionsspielvereins, zurück. Anton Christian gestaltet einen Kreuzweg auf den Erler Kalvarienberg, dazu entstanden 14 neue Werke des in Natters lebenden Künstlers und in diesem Zusammenhang auch zusätzlich viele neue Skizzen und Entwürfe.

„In Erl ist bereits seit 1772 der Kalvarienberg nachgewiesen“, zeigt Thrainer die lange Tradition der religiösen Stätte auf. Der pensionierte Hauptschuldirektor hat zudem einen ganz besonderen Zugang zum Kreuzweg. Thrai­ner stand rund 300-mal als Jesus auf der Bühne des Festspielhauses, das prägte ihn auch privat, wie er erklärt. Der Kalvarienberg wiederum begleitet den Erler bereits sein Leben lang. Daraus entstand die Idee, einen Kreuzweg von rund einem halben Kilometer aufzustellen.

Bald war auch ein Organisationskomitee gegründet, dem neben Erwin Thrainer Peter Bachmann, Georg Daxenbichler und Georg Wimmer angehören. Sie kümmerten sich um die Infrastruktur und die Sponsoren, darunter Land Tirol, Leaderverein und Tourismusverband. Ein fünfstelliger Eurobetrag war notwendig.

„Ich hatte am Anfang schon meine Bedenken, ob ich mich überhaupt trauen kann, den Anton Christian zu fragen“, erzählt Thrainer schmunzelnd. Letztlich war der Künstler begeistert darüber, seinen ersten Kreuzweg zu schaffen. „Es war aber von Anfang an klar, dass ich keine Figuren zeichne, also etwas, was es schon gibt“, schildert der Künstler der TT seine Überlegungen. Daher erzählt er mit Symbolen den Leidensweg. Auch für die Anbringung der Bilder fand man einen eigenen Weg. „Eine Art Vogelhäuschen sollte es auf keinen Fall werden, wir kamen dann auf die Idee, Serpentinfindlinge von der italienischen Seite des Berninapasses zu verwenden“, sagt Thrainer. Steinlieferant Willi Huber und Steinmetz Hannes Strasser haben tatkräftig geholfen, dass die entsprechenden Steine bereitstanden bzw. bearbeitet wurden. Die Kunstwerke selbst sind übrigens Druck auf gehärtetem Glas und keine Originale. Die sind zwar im Besitz der Erler, aber viel zu kostbar, um sie ungeschützt aufzustellen. „Aber wir planen eine Ausstellung mit den Originalen“, verrät Thrainer. Sie werden von der Gemeinde im Chronikraum verwahrt. Am Montag wurden die Drucke an den bis zu 1,2 Tonnen schweren Steinen angebracht. Am Sonntag, 18. September, um 10 Uhr findet die Segnung der Stationen durch Pfarrer Walter Hirschbichler statt.

Der bekannte Tiroler Künstler Anton Christian mit einer weiteren Station seines Kreuzweges.
- Otter