Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.12.2016


Exklusiv

Venedig: Wo die Gondeln Hunde tragen

Venedig ist auf den Hund gekommen, davon zeugt ein neuer Bildband, der den Street-Style der italienischen Bellos unter die Lupe genommen hat.

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Innsbruck – „Irgendetwas stimmt hier nicht“, bemerkte der Journalist Christian Ortner bei einem Besuch in Venedig, und er meinte nicht etwa die Touristenmassen oder die dicken Kreuzfahrtschiffe, die sich ihren Weg durch die Lagune bahnen. Es sind die Hunde, wie er schließlich erkannte. Nicht nur, dass es für eine Stadt, die auf Wasser gebaut ist, erstaunlich viele von ihnen gibt. „Die Serenissima ist sozusagen Dog Central“, schreibt der Autor im Bildband „Die Hunde von Venedig“. Doch es war nicht nur ihre schiere Zahl, sondern vor allem auch das elegante Erscheinungsbild der Tiere, das insbesondere in den Wintermonaten den Besucher der Stadt beeindruckt. Boxer Achille, ein Albino mit einem blauen und einem schwarzen blutunterlaufenen Auge trägt etwa schwarzes Leder, gefüttert mit weißen Schaffell passend zum weißen Hundefell. Chihuahua Sofia Loren ist hingegen lieber Pretty in Pink, sie trägt einen Strick-Anzug, passend zum Outfit des Frauchens. Hüterhund Hrvatski Ovcar trägt indes schlichtes Rot, während das Cape mit Kapuze der beiden Windspiele Milli und Zenzero zum Glück weiß ist. In Rot würden die beiden von hinten womöglich noch an Nicolas Roegs düsteren Klassiker „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ erinnern.

Warum die Venezianer solch einen Kult um ihre Hunde betreiben – darauf hat Ortner trotz eingehender Recherche auch keine Antwort gefunden. In der US-Sammlerin Peggy Guggenheim erkannte er aber gewissermaßen die Schutzpatronin aller Hundenärrinnen und Narren. Im Garten ihres Palazzo Venier dei Leoni ließ Guggenheim ein Grab für all ihre venezianischen Hunde errichten – samt Grabinschrift. Sie selbst ruht sanft daneben. „Wir haben es hier ganz zweifellos mit dem spirituellen Zentrum des venezianischen Hundekultes zu tun, dem Ground Zero dieser so sympathischen Schrulle“, notiert Ortner. „Die Hunde von Venedig“ punktet dabei nicht nur mit hinreißenden Porträts der Hunde und ihrer Besitzer. Es taugt auch als alternativer Stadtführer für all jene, die die touristischen Hotspots umgehen möchten. Egal auf wievielen Pfoten. (sire)

Aaron mag keine Katzen, dafür aber schwedische Touristinnen. Die mag auch sein 18-jähriges Herrchen gern.
Aaron mag keine Katzen, dafür aber schwedische Touristinnen. Die mag auch sein 18-jähriges Herrchen gern.
- Luiza Puiu