Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.01.2017


Ausstellung

Verkehrte Welten unter Palmen

Augentäuschereien mit Trump: René Luckhardts „Anamorphic Portraits“ bei Kugler.

© Johannes PlattnerRené Luckhardts „Anamorphic Portraits“ treten auch in den Raum hinein.



Innsbruck – „Die Gesandten“ (1533) von Hans Holbein d. J. waren eine der Inspirationsquellen für die neue Werkserie des deutschen Künstlers René Luckhardt, konkret das zwischen ihnen sichtbare, rätselhafte Zerrbild eines Totenschädels. Die Kunstgeschichte kennt die Anamorphose als Mittel für die Verschlüsselung von Bildbotschaften seit Jahrhunderten, Luckhardt reizt das Thema in seinen „Anamorphic Portraits“ auch mit Blick auf fremde, mitunter fragwürdige Geisteswelten der Gegenwart aus. Etwa wenn sich ein extrem in die Breite gezogenes Gesicht von einer bestimmten Position aus betrachtet als jenes von Donald Trump entpuppt.

Auch Marcel Duchamp, des Künstlers Großmutter, Nofretete oder Hermann Göring tauchen hier auf, die optische Verunsicherung ist so etwas wie die Eintrittskarte in, so Luckhardt, andere als die gewohnten Räume und Realitäten. Dass im vorderen Bereich der Galerie Zimmerpflanzen von der Decke wachsen, kann also als Wink mit dem Palmwedel verstanden werden.

Luckhardt lässt aber auch seine „Anamorphic Portraits“ selbst in den Raum hineintreten, wenn er sie zum angedeuteten Kubus zusammenbaut. Raffiniert ist die malerische Umsetzung, die – zuweilen täuschend echt – Drucktechniken imitiert. Und so das Spiel mit den Wirklichkeitsebenen um die Frage nach Original und Reproduktion erweitert. (jel)