Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Kunst

Die vielen Gesichter der Fotografie von heute

Gastspiel aus Niederösterreich im Innsbrucker Fotoforum: 14 Mitglieder des Foto- und Medienkunstvereins imFLUSS stellen sich vor.

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© fotoforum



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Das prächtige niederösterreichische Schloss Wolkersdorf ist seit fast 30 Jahren die „Heimat“ des Vereins imFLUSS. Seine Mitglieder sind professionelle Fotografen und Medienkünstler genauso wie Menschen, die einfach nur gut und gern fotografieren. 14 von ihnen, die in den letzten fünf Jahren zu diesem erfrischend heterogenen Trüppchen gestoßen sind, präsentiert das Fotoforum in seiner aktuellen Schau. Die zeigt, wie viele Gesichter die Fotografie bzw. Medienkunst heute hat.

Da hat Digitales genauso Platz wie Analoges, kühl Dokumentarisches hängt neben Experimentellem, Installatives neben Filmischem, Großes neben Kleinem bzw. nur durch ein Mikroskop zu Sehendes. Dieses enge Nebeneinander offeriert viel Raum zum Sehen, setzt allerdings auch die Bereitschaft voraus, sich immer wieder auf neue Blickwinkel einzulassen.

Mit Sabine Groschup und Christiane Spatt finden sich auch zwei seit Jahren in Wien lebende Tirolerinnen. Zu ihrer Fotoserie „Wen die Götter lieben?“ ließ sich Spatt anlässlich eines Residency-Aufenthalts im St. Christopher Hospiz-Hotel anregen. Formuliert als schrille Selbstinszenierung, die so komplett anders als die subtile Handschrift von Sabine Groschup daherkommt. Die die Schatten fotografiert, die ihre Silhouette in einer Pfütze, einem Schaufenster, auf einer Straße oder einer Mauer in oft skurril verzerrter Form hinterlässt.

Bereits 20 bzw. 30 Jahre alt sind die Porträts, die Didi Sattmann von Arnulf Rainer und Oswald Stimm gemacht hat. Und weit mehr sind als Momentaufnahmen von Gesichtern, sondern die komplexen Persönlichkeiten dieser zwei Ausnahmekünstler erahnen lassen. Sehr schön ist auch die Serie von Bildern Christoff Wiesingers, in denen eine vage Figur langsam auf- und wieder ins Nichts abtaucht. Zeit und Licht haben die Silhouetten von Pflanzen auf braun getönten Gläsern hinterlassen, fixiert von Maria Hanl. Um das Festhalten des Augenblicks geht es auch Eva-Maria Raab in ihren formal raffinierten Impressionen, in denen die Wirklichkeit oft auf den Kopf gestellt ist. Und bei David Kurz wird die Fotografie gar zur Skulptur, geformt aus vielfach geknicktem, per Taschenlampe gezielt belichtetem Fotopapier.

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