Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.08.2017


Forum Alpbach

Kunstköder, an die nur wenige anbeißen

Kunst beim Europäischen Forum Alpbach: Mehr als ein Alibi? Bewährtes in der Form neuer Bilder von Markus Bacher in der Reither Galerie Schmidt.

© forum alpbachDiskursförderndes Möbel: „Vis-á-vis“ von Marie Reichel.Foto: A. Pungovschi



Von Edith Schlocker

Alpbach, Reith – Das, was Studenten der Wiener Angewandten – in der heurigen vierten Auflage aus der Klasse von Brigitte Kowanz – während eines Semesters speziell für Alpbach erfinden, sollte mehr als bloße Behübschung sein. Sondern den intellektuellen Diskurs erweitern, mit dem großen Ziel, festgefahrene Strukturen der Wahrnehmung aufzulösen und traditionelle Deutungsmuster zu entmystifizieren.

Neun KünstlerInnen bzw. Künstlerpaare haben sich auf diese Herausforderung eingelassen, ihre Köder ausgeworfen, um noch bis Ende des heuer unter dem Generalthema „Konflikt und Kooperation“ stehenden Forums zu warten, wer oder was anbeißt. Bis jetzt herzlich wenig, wie Valentin Hessler bedauert, dessen gemeinsam mit Selina Lampe gemachte Installation „Eisberg/Iceberg“ auch die spannendste ist. Indem sie neben den Ständen der potenten Förderer des Forums ihren eigenen aufgebaut haben. Um per Videobotschaft mit viel Ironie garniert für ein in einem Plantschbecken schwimmendes blaues Männchen kräftig die Werbetrommel zu rühren.

Die meisten der anderen Arbeiten nimmt man dagegen kaum wahr: Weder den riesigen Schnorchel aus Kupfer, den Marie Reichel ins Stiegenhaus gehängt hat, noch die zwei Gongs von Lukas Kaufmann, die im Foyer herumstehen und die zu schlagen niemandem in den Sinn käme. Darauf, dass es zwischen zwei Eingangstüren laut atmet, muss man aufmerksam gemacht werden, und was das Bügelbrett soll, das im Foyer in einem Eck steht, bleibt ein Rätsel. Auch dass die zwei Liegestühle, die gegengleich gekoppelt auf der Terrasse stehen, ein Objekt der Kunst sind, ist auf einen ersten Blick nicht klar, ihr Beliegen ist allerdings höchst kommunikativ.

Die Installation, die Peter Fritzenwallner im alten Hallenbad zeigt, ist nur noch ein Torso. Wurden die zwei Lautsprecher, aus denen die Liebesgeschichte zwischen einem Ludwig aus Wien und einer Wong aus Taiwan zu hören wäre, doch geklaut. Und nebenan, wo Leonhard Prochazka seine komplexe, an der Auflösungserklärung der RAF aufgehängte vielteilige Arbeit zeigt, geht das Licht nicht. Für Valentin Hessler durchaus ein Indiz dafür, dass die Kunst in Alpbach letztlich nicht viel mehr als ein Feigenblatt ist. Ganz so drastisch sieht das Elisabeth Schack,­ die heuer erstmals für das Kulturprogramm des Europäischen Forums verantwortlich ist, nicht. Verbesserungsbedarf ortet allerdings auch sie.

Traditionell auf Bewährtes setzt die Reither Galerie Schmidt in ihrer jährlichen Ausstellung zum Forum Alp­bach. Diesmal mit Markus Bacher, einem, mit seinen 34 Jahren jungen, aber bereits international umtriebigen Tiroler Künstler. Der „beste Schüler“ von Christian Ludwig Attersee präsentiert ausschließlich noch nie Gezeigtes in sämtlichen Formaten und Stimmungslagen. Ganz lichte, luftig „gestrickte“ Bilder in Acryl genauso wie ahnungsvoll düstere in Öl. Bisweilen glaubt man Assoziatives zu erkennen, das allerdings so vage ist, dass es sich schon im nächsten Moment in etwas völlig anderes verwandeln kann. Um auf diese Weise ganz im Sinn ihres Schöpfers zum Spiegel des Betrachters zu werden.