Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.10.2017


Ausstellung

Bilder, die wie Gedichte funktionieren

Der malende Zeichner Franz Mölk lässt die menschliche Figur in unbestimmten Farbräumen schweben. Derzeit in der Haller Galerie Goldener Engl.

© Mölk2017 entstandene titellose Mischtechnik von Franz Mölk.Foto: Mölk



Von Edith Schlocker

Hall – Was ist wirklicher als die Traumwelt? Die Welt, die sich der Tiroler Franz Mölk ermalt bzw. erzeichnet. Denn anders als das Geträumte ist das vom 70-jährigen Künstler auf großen oder auch ganz kleinen Malgründen Ausgebreitete haptisch greifbar. Das allerdings mit der konkreten Wirklichkeit sehr wenig zu tun hat, auch wenn die Mölk’schen Figuren auf einen ersten Blick sehr realistisch daherkommen. Allerdings sind sie meist nackt, ihre Körper androgyn. Schwebend in undefinierbaren Räumen, allein oder zu Gruppen verknäuelt, sich anziehend oder abstoßend.

Verbunden zu einem rhythmisch durchpulsten Ganzen, zu höchst poetischen Bildgeschichten, in denen es um die ganz großen Fragen des Menschseins geht. Zelebriert in einer Leichtigkeit, die unter die Haut geht, gerade deshalb, weil Franz Mölks Handschrift so elegant, seine Gestik letztlich so manieriert ist. Wodurch das Erzählte auf eine übergeordnete Ebene gehievt wird, transformiert ins Zeitlose, obwohl einige der Figuren Lorbeerkränze tragen oder in Mikrofone plärren.

Franz Mölk, der ein Schüler von Max Weiler und Rudolf Hausner an der Wiener Akademie der bildenden Künste war, ist ein malender Zeichner bzw. zeichnender Maler. In der Haller Galerie Goldener Engl zeigt er ganz neue Arbeiten, die sich in zwei Richtungen auseinanderentwickeln. Da gibt es auf der einen Seite die von einer kräftigen, delikat nuancierten Farbigkeit dominierten Ta­bleaus, die von fast hyperrealistisch gemalten Figuren bevölkert sind.

Überzeugender sind allerdings jene Bilder, in denen der Zeichner den Maler aussticht. Mit dem Effekt, dass sich die Figuren in einem rätselhaften Zustand der Auflösung befinden, zur vielschichtig und wunderbar subtil in der Fläche vernetzten schwarzweißen Struktur werden, unterlegt von einer monochrom pastelligen Farbigkeit.