Letztes Update am Mo, 23.10.2017 13:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Heller kreiert in den Kristallwelten neue Wunderkammer

Die Kristallwelten in Wattens zeigen Hologramme von Mahatma Gandhi, Albert Einstein, Martin Luther King und Rigoberta Menchú. Ab 27. November können die neuen Wunderkammern entdeckt werden.

© SWAROVSKI KRISTALLWELTENKünstler André Heller gestaltet eine Wunderkammer in den Kristallwelten.



Wattens – Lebensgroße Hologramme von Mahatma Gandhi, Albert Einstein, Martin Luther King und Rigoberta Menchú erwarten die Besucher der Swarovski Kristallwelten ab 27. November. Die 1995 eröffnete Attraktion in Wattens, die bisher mehr als 13 Millionen Besucher angezogen hat, erhält eine von André Heller kreierte neue Wunderkammer zum Thema Frieden.

Das erfolgreiche Projekt, das zuletzt 2015 auch in den Außenbereich erweitert wurde, ist ein permanentes Work in Progress. Alle zwei bis fünf Jahre werden die Wunderkammern neu bespielt, erläuterte Swarovski-Kulturdirektorin Carla Rumler am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. „Es sollte immer frisch sein. Leute, die mehrmals kommen, sollen immer wieder neu verzaubert und überrascht werden.“

Heller: „Kein wichtigeres Thema als Frieden“

Neben dem israelischen Künstler Arik Levy, dem mexikanischen Architekten Fernando Romero und dem indischen Modedesigner Manish Arora (seine Installation heißt „Ready to Love“) kehrt mit André Heller der Ursprungs-Schöpfer des „Riesen“ zurück. „Die Kristallwelt ist ja kein Erbhof“, zeigte sich Heller erfreut darüber, dass regelmäßig andere Künstler auf die Situation in Wattens reagierten.

Er selbst habe für seinen neuen Beitrag darüber nachgedacht, „was meiner Meinung nach als Farbpunkt da drinnen fehlt: Wenn so viele Besucher kommen, macht es Sinn, wenn sie an einer Stelle auch einen politischen Denkanstoß kriegen. Es gibt kein wichtigeres Thema als Frieden und Gesundheit. Frieden ist etwas, das unsere Welt vollkommen beherrscht - in seinem Gegenteil, dem Unfrieden.“ Künftige Kristallwelten-Besucher sollen daher mit bedeutenden Friedensdenkern und ihren zentralen Botschaften konfrontiert werden.

„So werden in Zukunft Wahlkämpfe ausschauen“

Die technische Umsetzung verantwortet der Multimedia-Spezialist Uwe Maass (Heller: „Ein wirklich erstaunlicher, narrischer Mensch!“) mit seinem Unternehmen „Musion“. Maass habe etwa im indischen Wahlkampf den später siegreichen damaligen Oppositionsführer Narendra Modi als Hologramm zu 3.200 Veranstaltungen vor 110 Millionen Menschen gebracht. Höhepunkt war die holografische Liveübertragung einer Rede an 93 Orten gleichzeitig. „Die Menschen haben wirklich gedacht, der steht da vorne“, beteuerte Maass.

Heller zeigte sich von den technischen Möglichkeiten begeistert. „So werden in Zukunft Wahlkämpfe ausschauen - ob wir wollen oder nicht. Das ist wirklich verrückt. „Künftig werde es auch möglich sein, Stücke zu schreiben, in denen etwa Charlie Chaplin und Paula Wessely gemeinsam auftreten könnten. Nur eines habe ihn irritiert: Albert Einstein habe in dem an sich perfekten Hologramm dennoch nicht echt gewirkt. Schließlich sei er draufgekommen: Weil in unserem kollektiven Gedächtnis von Einstein nur Schwarz-Weiß-Bilder abgespeichert sind, wirke eine Farbdarstellung unwirklich. Die Sache ist noch nicht entschieden. „Wenn‘s nach mir geht, wird er Schwarz-Weiß“, so Heller. „Ich kämpfe für Farbe“, konterte Maass.

Friedensbotschaften kurz und prägnant

Eines ist dagegen fix: Die Friedensbotschaften werden kurz und prägnant gehalten - auch von Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú, die man in Guatemala einen ganz Tag lang gefilmt hat. „Bei so vielen Besuchern geht das gar nicht anders. Sonst stauen sich gleich Tausende“, so Heller.

Swarovski investiert in die Neugestaltung „substanzielle Summen“ im einstelligen Millionenbereich, über die Stefan Isser, Geschäftsführer der Swarovski Tourism Services GmbH, allerdings keine genaue Auskunft gab. Man freue sich aber, in dem Mix aus Kitsch und Kommerz, Kunst, Kultur und Design nun noch mehr zu Reflexion einzuladen. „André Hellers Prinzip, sich permanent lernend zu verwandeln, folgen wir gerne.“

Vom 6. bis zum 10. November werden die Kristallwelten, die zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Österreichs zählen, komplett geschlossen sein, danach wird es noch kleinere Behinderungen geben. Die neuen Installationen sollen ab 27. November zugänglich sein. (APA)