Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.10.2017


Bezirk Imst

Stamser Stiftsmuseum öffnet seine Pforten

Ab dem 5. November zeigt das Zisterzienserstift Stams seine neue Wunderkammer. Auszüge aus den Ordensregeln führen durch ein reichhaltiges Klosterleben mit Schätzen aus der 700-jährigen Geschichte.

© DornKurator Frater Martin Anderl (l.) und Abt German Erd vor der Stiftsapotheke aus dem späten 18. Jahrhundert, die unter dem Stiftsapotheker Dismas Mader das ganze Oberland versorgte.



Von Agnes Dorn

Stams – Welche Objekte eignen sich für eine Ausstellung am besten, um einen Mikrokosmos wie das Zisterzienserstift mit seiner über 700-jährigen Geschichte besonders umfassend abzubilden? Die Antwort liefert das neue Museum, das am Sonntag, den 5. November, nach dem Gottesdienst um 17 Uhr im Bernardisaal im Beisein von Landeshauptmann Günther Platter feierlich eröffnet wird.

Dem Kurator Frater Martin Anderl ist es mit seinem Team gelungen, eine Ausstellung zu realisieren, die den vielen Facetten des Klosterlebens gerecht wird: Die Räume des Museums sind nach Themen eingerichtet, die ihnen zugeteilten Gegenstände sind dabei den unterschiedlichen Epochen des Klosters entnommen. „Als roter Faden wird jedem Raum ein Auszug aus der Benediktsregel zugeordnet“, erläutert Anderl die Verbindung zwischen den einzelnen Räumen, in denen sich einzigartige Objekte aus dem reichen Fundus des Klosters wiederfinden.

Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war zum Beispiel der Dienststeckplan in Gebrauch, der den Mönchen mittels einfachen Stecksystems Uhrzeit und Ort ihrer Messen zeigte und der nun im ersten Raum gemeinsam mit anderen Alltagsgegenständen das Klosterleben auch Außenstehenden näherbringt.

Eines der Prunktstücke ist der Globus des Gerhard Mercator, der ebenfalls gezeigt wird.
- Dorn

„In den Räumen, in denen das Schigymnasium vor 50 Jahren seinen Anfang nahm, war bereits die Landesausstellung untergebracht und später diente sie als Galerie“, erzählt Abt German Erd vom Wandel der Räume, die nun als Museum ihre jetzige Bestimmung finden.

Weiter geht die Führung durch das Musikzimmer in den Apothekenraum, wo jenes Mobiliar steht, das die medizinischen Schätze des Stiftsapothekers Dismas Mader enthielt, der mit seinen Kräutern und Tinkturen das ganze Oberland versorgte. Im nächsten Raum sind gleich mehrere besonders eindrucksvolle Zeugnisse des Stifts als Zentrum der Wissenschaft enthalten: Neben einem seltenen Globus von Gerhard Mercator aus dem 16. Jahrhundert findet sich als eines der ältesten Stücke der Ausstellung ein Astronomischer Tisch aus dem frühen 15. Jahrhundert, dessen Mechanik die Planeten um die Erde kreisen und die Besucher damit in die vorkopernikanische Weltanschauung blicken lässt.

Ölbilder aus den unterschiedlichen Epochen des Klosters und von den Südtiroler Besitzungen ergänzen die Ausstellung ebenso wie eine Sammlung von Porträts, zu der auch ein Werk von Albin Egger-Lienz und mehrere Porträtbilder von Thomas Riss gehören.

Ein eigener Raum widmet sich der Liturgie und präsentiert kostbare Messgewänder neben anderen wert- und kunstvollen Utensilien aus Gold und Geschmeide. Daneben findet sich der Altarraum, der mehrere Exemplare aus den verschiedenen Epochen zeigt.

Ein kürzlich produzierter Kurzfilm von Emmanuel Bachnetzer sowie eine Auswahl an Gemälden, sakralen Figuren und Möbelstücken runden die Sammlung ab. Geplant sei es, das Museum als integrativen Bestandteil der Stiftsführung zu öffnen und außerdem einmal im Monat bei einem Spezial­abend einen Gegenstand oder ein Thema der Ausstellung genauer unter die Lupe zu nehmen.

Am morgigen Feiertag zeigt ORF 2 um 17.35 Uhr die Dokumentation „Stift Stams – Die Renovierung der Superlative“ von Georg Laich aus dem Landesstudio Tirol.