Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Kunst

Ein Landschaftsmaler, der nach Leerstellen sucht

Der Tiroler Künstler Wolfgang Wirth zeigt im Rabalderhaus seine auf Basis historischer Karten entstandenen „Orte des Sehens“.

© Wolfgang WirthAcrylmalerei auf historischen Landkarten: „Three Peaks“ von Wolfgang Wirth. Foto: Rabalderhaus



Schwaz – Vermessen und kartiert wird die Landschaft zum Gebiet, vielmehr noch zum politisch abgesteckten Territorium. Wohl nicht umsonst zeigen viele der historischen Landkarten, die Wolfgang Wirth als Bildträger dienen, alpine Grenzgebiete zwischen Österreich, Italien und der Schweiz. Man darf sich da getrost auch auf die Suche nach bekannten Gipfeln machen – und findet etwa die Cima Brenta, 1898 in Franz-Josefs-Spitze um- und offiziell bis 1918 so genannt.

Wirths Übermalung mit lasierendem Weiß umhüllt dieses Gebiet hinter einer Art Nebel. Die visuelle Verunsicherung lässt sich durchaus auch mit dem Wissen um historische Brüche unterfüttern. Aktueller wird es, wenn Wirth historische Karten von Syrien bearbeitet: Hier wird es dichter, die Raster zu fast ornamentalen Mustern, die manches verdecken und anderes stärker zutage fördern.

Wirth, 1966 in Innsbruck geboren und in Wien lebend, zeigt in Schwaz Werke aus seinen 2014-2016 entstandenen Serien „Maps“, „Grids“, „Rugs“ und „Territory“. Es sind eigenwillige Erkundungen der malerischen Möglichkeiten und des Umgangs mit Raum, der in der Landschaft eben zum Gebiet wird. Wirth eignet es sich malerisch an, greift ein, schwärzt, löscht damit aus, markiert oder überlagert, zum Beispiel mit einem Muster aus hellblauen Rechtecken, die wiederum den Farbcode der Flüsse auf den bearbeiteten Karten wieder aufnehmen.

Das Territorium wird hier zum Denkraum erweitert, mit den Rasterungen seiner Landschaften referiert Wirth auf die Malereigeschichte, breitet sich in der von Günther kuratierten Schau über die Fliesenfugen aber auch in den realen Raum aus. Dort wiederum sind Wirths Arbeiten zwei Landschaftsfotografien von Wilhelm Angerer aus der Sammlung des Museums gegenüber gestellt.

„Hotel in the Mountains“ heißt wiederum eine wunderbare Serie von übermalten Postkarten, auf denen sich blockartige Hotelkästen in aus wenigen Farbflächen angedeuteten Landschaften wiederfinden und am Ende Reales wie Gemaltes zur Kulisse verschwimmt. (jel)