Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.12.2017


Kunst

„Skandalöse Zustände“ im Belvedere

Neue Belvedere-Leitung erhebt schwere Vorwürfe gegen Vorgängerin Agnes Husslein-Arco: „Das ist fahrlässiger Umgang mit Weltkulturerbe.“

© APA/HERBERT NEUBAUERGeneraldirektorin Stella Rollig und Geschäftsführer Wolfgang Bergmann sind empört über die Zustände im Belvedere.Foto: APA/Neubauer



Wien – Zwischen großer Freude und großem Ärger schwankte das neue Leitungsduo des Belvedere bei seiner ersten Jahrespressekonferenz. „Wir sind sehr stolz, weil das Jahr 2017 wieder als ein Rekordjahr in die Annalen eingehen wird“, sagte Generaldirektorin Stella Rollig. „Wir finden hier einen Zustand vor, der skandalös ist“, zürnte der wirtschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Bergmann. Und richtete zahlreiche Vorwürfe an die ehemalige Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco.

Die jüngste Entdeckung betreffe die auf dem denkmalgeschützten Dachboden des Belvedere befindlichen Kälteanlagen, die „in keiner Weise“ den Anforderungen eines Brandschutzes entsprächen. Warnende Prüfberichte aus dem Jahr 2013 seien ohne Reaktion der bis 2016 amtierenden Direktorin geblieben. Zudem seien Brandschutztüren aus ästhetischen Gründen ausgebaut worden. Auch die Frage der Fluchtwege sei nachlässig behandelt worden. „Es ist ein Grundmuster der Haltung, auf die wir überall stoßen, dass gesetzliche Vorschriften in den Wind geschlagen worden sind“, meinte Bergmann. „Das ist ein fahrlässiger Umgang mit Weltkulturerbe. Es geht hier um Milliardenwerte.“ Die zuletzt publik gewordenen Fälle von Regressforderungen an die Ex-Direktorin seien „eine Lächerlichkeit im Vergleich zu dem, was wir hier an fahrlässiger Führung eines Hauses vorgefunden haben“, so Bergmann. Husslein-Arco wies die Vorwürfe hinsichtlich fahrlässiger Vorgangsweise bei der Klimatisierung zurück. Gegenüber der APA betont sie, „dass diese Agenden in den Bereich des Gebäudemanagements fielen, das der kaufmännischen Leitung unterstellt war“.

Positiv fällt die wirtschaftliche Bilanz aus: 2017 werden voraussichtlich 1,43 Millionen Besuche gezählt werden (2016: 1,329 Mio.), die Ticketerlöse haben Anfang Dezember erstmals die Zehn-Millionen-Euro-Grenze überstiegen und werden zu Jahresende voraussichtlich über elf Millionen Euro betragen. Für 2018 sind unter anderem Sonderschauen zu Gustav Klimt und Egon Schiele geplant. Beide Künstler, deren 100. Todesjahr 2018 begangen wird, sollen unter neuen Gesichtspunkten ausgestellt werden. (APA, dpa, TT)