Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.12.2017


Kunst

Nicht bloß am Tropf des Marktes hängen

Mit dem Format „exchange“ sollen Künstlerateliers zu Orten des Austauschs werden. Diesmal bei Judith Klemenc.

© Michael KristenWerke zum „Durchblättern“ von Milena Meller (r.), Rens Veltman, Elisabeth Moser, Thomas Riess, Christoph Hinterhuber (hinten, v. l.).



Innsbruck – Je eine Arbeit hängt ganz klassisch an der Wand, direkt darunter darf man sich – unter Verwendung der bereitgelegten weißen Handschuhe – durch eine Reihe weiterer „blättern“. Im Atelier von Judith Klemenc in der Ferdinand-Weyrer-Fabrik ist derzeit eine feine Zusammenschau Tiroler Kunstschaffens im kleinen Format zu sehen. Arbeiten von rund 30 Künstlerinnen und Künstlern sind zu sehen, darunter grafische Arbeiten von Christoph Hinterhuber, auf Stofftaschentücher gestickte Lyrik von Sabine Groschup, reizvolle Gouachen von Michael Ziegler, filigrane Tuschzeichnungen von Charlotte Simon, in Öl Gemaltes von Rens Veltman oder die limitierte Audiopublikation von Lucas Norers Hörstück „Portbou“.

Die Art der Präsentation ist einerseits dem vorhandenen Platzangebot geschuldet – und ermöglicht andererseits auch eine haptischere Begegnung mit Kunst als sonst in Ausstellungen „erlaubt“. Überhaupt hat das Format „exchange“ wenig mit klassischer Ausstellungspraxis etwa in Galerien am Hut, sondern ist vielmehr als Gegenentwurf gedacht: Nora Schöpfer hat „exchange“ 2014 ins Leben gerufen und Künstlerkollegen in ihr Atelier geladen. Mit der Idee, einen Ort des gegenseitigen Austauschs und zugleich eine Präsentationsmöglichkeit abseits von Galerien und Institutionen zu schaffen, also nicht nur am Tropf des Marktes und des Ausstellungsbetriebes zu hängen. Da passt es ganz gut, wenn Gastgeberin Judith Klemenc, die das Feld mit der Mixed-Media-Installation „Die Büchse und Pandora“ ins Dreidimensionale ausweitet, ihren schwarztonigen Figuren eine Infusion mit „Normalisierungslösung“ verabreicht. Klemenc richtet (nach Maria Vill 2016) „exchange version III“ aus. Die Vorweihnachtszeit ist nicht zufällig gewählt: Denn es könnte ja auch Kunst unter dem Christbaum liegen. (jel)




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