Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.01.2018


Kunst

Kunst, die den Raum auslotet

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© WEST. Fotostudio



Innsbruck – Geometrische Formen, an die Wand gemalt oder in Form reduzierter Gegenstände an die Wand gebracht. Die Blicke wandern von Element zu Element, es werden nicht einzelne Werke präsentiert, sondern ein Raum zum Kunstwerk erhoben. Mit dieser radikalen Konzeption umriss El Lissitzky 1923 seinen „Prounenraum“ .

Die kleine Schau „The abstract space“ von Julia Brennacher, die ebenso als Künstlerin wie auch als Kuratorin fungiert, nimmt sich Lissitzkys wegweisendes Konzept zum Vorbild und untersucht, wie zeitgenössische Werke den Raum ausloten. Brennacher arbeitet mit Tiroler Positionen: Da kommt man um Anna-Maria Bogner nicht herum, die auch in dieser Ausstellung mit Schnüren in die vorliegenden Raumstrukturen eingreift. Die streng gesetzten Linien schreiben sich wie eine Zeichnung in den Raum ein und machen ihn so neu erfahrbar.

Raumgreifend, allerdings in einer anderen Dimension, sind auch die Arbeiten von Simona Obholzer. Die Tirolerin nimmt sich in ihrem Video „unfolding the horizon“ die Horizontlinie als Anhaltspunkt perspektivischer Darstellung. Diese wird bei Obholzer allerdings in ein Faltpanorama gestaucht und nimmt erst beim Entfalten den eigentlichen Raum ein.

Julia Brennachers Auseinandersetzung ist vielmehr malerischer Natur. Bei ihr sind es Interventionen in Form von dreidimensionalen Bildträgern, die nicht nur an der Wand, sondern auch am Boden verteilt sind. Ist Lissitzky hier noch spürbar, haben die anderen Positionen das Vorbild längst neu gedacht. (bunt)




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