Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


artdepot

Aus dem Kontext gerissen

Matko Vekic´’ aktuelle Werke verweigern sich Inhalten und driften damit ins Klischeehafte.

© artdepotDie Akte von Matko Vekic´ maskieren sich mit den eigenen Händen und werden damit zu anonymen Körpern



Innsbruck – Autos und Akte, so könnte die neue Ausstellung von Matko Vekic´ im Artdepot in Innsbruck auf den ersten Blick beschrieben werden. Autos links, Akte rechts. Fein voneinander getrennt.

Der Kroate, der 2009 mit anderen Künstlern den kroatischen Pavillon der Biennale bespielte, gastiert schon zum zweiten Mal im Artdepot. 2015 handelte der Künstler hier eine Serie zum Thema Maskierung ab. In „The Mask of God’s Image“ zeigte Vekic´ damals beklemmende Bilder mit klaren Szenen der Gewalt. Einerseits medialer Gewalt, Filmszenen, die sich ins kollektive Gedächtnis brennen, und andererseits auch realer Gewalt in Form von Kriegsbildern. Auf diesem Hintergrund bildete Vekic´ Alltag ab, rangelnde Kinder oder eine gebückte Frau. Sie alle nehmen den düsteren Hintergrund nicht wahr, arrangieren sich damit. Was sie verbindet: Die Figuren bleiben anonym, ihre Gesichter maskiert – mit Masken der Gegenwart, einer Sonnenbrille, einer Gasmaske oder einer Burka.

Waren die Bilder von 2015 noch zeitpolitisch zu verorten, vermisst man diese Kontextualisierung bei den jetzt gezeigten Werken: Lediglich die spärlich verteilte orientalisch anmutende Ornamentik des Untergrunds lässt eine vage Verortung zu. Was bleibt: Die Frauenfiguren maskieren sich – diesmal mit den eigenen Händen – und werden dadurch erneut zu anonymen Körpern, die sich zwar offenherzig dem Betrachter zur Verfügung stellen, aber keine Persönlichkeit preisgeben. Den Frauen gegenüber steht eine Autoserie auf Holz gemalt – eine Kombination, die leider auch trotz Trennung zum Klischee männlicher Malerei abgestempelt werden kann. (bunt)




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