Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.02.2018


Kunst

Keinen Dank für die Blumen

Ein ähnliches Werk präsentierte Koons 2012 anlässlich einer Christie’s-Aktion in New York.<span class="TS_Fotohinweis">Foto: AFP/McCarthy</span>

© GETTY IMAGES NORTH AMERICAEin ähnliches Werk präsentierte Koons 2012 anlässlich einer Christie’s-Aktion in New York.Foto: AFP/McCarthy



Paris – Es ist schon etwas länger her, dass das französische Volk den Vereinigten Staaten von Amerika ein großzügiges Geschenk machte: die Freiheitsstatue, die in Roben gehüllte römische Göttin der Freiheit. Bis heute das Symbol für ein freies Amerika. Das war 1886.

Obwohl der Vergleich hochgefasst ist, ähnlich prächtig und vermeintlich uneigennützig kam 2016 Jeff Koons’ Idee zu einem Geschenk an Frankreich daher. In der amerikanischen Botschaft in Paris hatte er es vorgestellt: ein „Bouquet of Tulips“, 11 Meter hoch und 30 Tonnen schwer soll es werden. Und ein Zeichen der Solidarität sein, ein Denkmal für die Opfer der Terroranschläge im November 2015.

Doch was Paris’ Bürgermeisterin Anne Hidalgo damals als „unwiderrufliche Verbundenheit zwischen Paris und Amerika“ begrüßte, wurde bald zum Politikum. In einer Stellungnahme, die Ende Jänner in Libération erschien, klagen Kulturschaffende die Hintergründe zum geplanten Projekt an, das im Frühjahr realisiert werden soll. Problematisch sei einerseits der Ort, zwischen den beiden Museen Musée d’art moderne de la Ville de Paris und dem Palais de Tokyo, an dem Koons sein Werk verewigt sieht. Dieser Platz hat nichts mit den Anschlägen zu tun. Vielmehr sei er prominent genug für eine Funktion: die Eigenwerbung des Künstlers. Auch der renommierte Galerist Stéphane Corréard mag im „Bouquet of Tulips“ wenig mehr als Selbstinszenierung erkennen: Der Marktwert des ohnehin teuersten Künstlers der Gegenwart soll noch weiter in die Höhe getrieben werden.

Andererseits wird auch der Begriff des „Geschenks“ kritisiert: Die auf rund drei Millionen Euro geschätzten Herstellungskosten werden vom „Fonds de Paris“ finanziert, welcher 2015 auf Initiative der Stadt gegründet wurde und dazu dient, für verschiedenste Projekte Mäzene zu finden. Nur Koons’ Entwurf ist also ein Geschenk. Auch darüber wurde Kritik laut. Frankreichs Kulturministerin Françoise Nyssen will dieser Tage vermitteln.

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Dass das mit den Geschenken immer schon eine schwierige Angelegenheit war, zeigt sich erneut im historischen Rückblick. Selbst die Freiheitsstatue musste von beiden Seiten mitfinanziert werden: Frankreich zahlte die Statue, die Amerikaner den Sockel. Bis zuletzt wurde dafür um Spenden gebeten. Aber: Die Freiheitsstatue schrieb Geschichte – und wurde zur Ikone. Ob Koons’ Blumenbouquet das Zeug zum Symbol hat, ja ob es letztlich überhaupt realisiert wird, wird sich zeigen. (bunt)




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