Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.03.2018


Osttirol

Die Zeitreise wird deutlich vielseitiger

In Aguntum wird heuer der archäologische Landschaftspark fertig gestaltet. Interaktive Attraktionen bereichern künftig das Museum. Die geplante Geschäftsführung des neuen Kulturnetzwerks wird auch für Aguntum tätig sein.

© L.Jungmann/P.Jungmann,aberjung



Von Claudia Funder

Dölsach – Bereits 2014 war die Entscheidung zu einer Neupositionierung von Aguntum, der einzigen Römerstadt auf dem Boden des heutigen Tirols, gefallen. Das Ziel: die Vergangenheit noch fassbarer machen und das historische Erbe als kulturtouristische Stätte attraktiv präsentieren. Ein Leitbild wurde erstellt, das die Richtung vorgab.

Und sehr vieles wurde mittlerweile realisiert. Zwei Leader-geförderte Projektphasen zur Schaffung eines archäologischen Landschaftsparks sind bereits abgearbeitet – die TT berichtete.

Heuer geht die Umsetzung des Großvorhabens ins Finale. Mit dem Leaderprogramm III – Volumen 100.000 Euro – soll das Wegesystem fertig gestellt, das Info- und Leitsystem ergänzt und der Zugang zum Forum mittels Stahlkonstruktion erlebbar gemacht werden. Weitere Planungen: zusätzlich Rastplätze und Mobiliar schaffen sowie ein Pflegekonzept für den Park erstellen. „Der Förderantrag wurde im Landtag eingebracht“, erklärt Leo Gomig, Obmann des Vereins Curatorium pro Agunt­o. „45 Prozent der Kosten werden aus Eigenmitteln aufgebracht.“ Der Startschuss zur dritten Programmphase fällt am 15. März.

In Vorbereitung ist auch ein Interreg V-Projekt für grenzüberschreitende Aktivitäten Italien/Österreich. Geplant ist die Produktion eines gemeinsamen Films von drei Museen. „Mit weiteren 65.000 Euro soll das Museum Aguntum Stadt durch interaktive Installationen, mit denen vor allem Kinder und Jugendliche angesprochen werden sollen, noch attraktiver gestaltet werden“, verrät Gomig.

Was ist geplant? Ein beleuchtetes Aguntum-Modell im Ausmaß von 1200 mal 1200 Millimetern wird einen spannenden Blick aus der Vogelperspektive auf Gebäude sowie ergrabene und vermutete Geländebereiche gewähren. Bei neuen Erkenntnissen kann es ergänzt werden. Mit interaktiven Stationen wird das Museum noch besser erlebbar gemacht. Ein Modell mit künstlichem Rauch wird etwa das System der ehemaligen Bodenheizung simulieren.

Und ein altrömischer Miniaturkran hinter Glas wird Kinder zur Aktivität anregen. Die Steuerung erfolgt über Hebel außerhalb des Gehäuses. Virtual-Reality-Brillen halten im Museum Einzug. Mit ihnen kann man visuell und akustisch in die Römerzeit reisen.

Vorgesehen ist, die Website von Aguntum völlig neu und modern zu gestalten. Prospektmaterial wird adaptiert und ein Begleitheft erstellt. An der Südseite des Museums wurde Grund angepachtet. Hier werden vier mit Themen beschriftete Meilensteine in Position gebracht.

Heuer fertig gestellt wird das Römerwege-Projekt, das in Kooperation der Gemeinden Dölsach und Iselsberg, Nationalpark und Landschaftsdienst umgesetzt wird. Gomig: „Die Wege werden informativ auf die Römerzeit und Aguntum hinweisen.“

Neu gestaltet wird auch der Kreisverkehr bei Stribach. Das Rondell erhält die Rekonstruktion einer Römerstraßen­kreuzung, in deren Mitte eine Stel­e auf die einstige Römerstadt Aguntum hindeuten wird.

Die Initiative zur Gründung eines Verbundes der Osttiroler Museen konnte durch die im Herbst erfolgte Gründung des Vereins „Osttiroler Kulturspur – Kulturnetzwerk“ erfolgreich abgeschlossen werden. „Der Verein Curatorium pro Agunto ist Mitglied und hat angeboten, Räumlichkeiten für die zu installierende Geschäftsführung im Grabungshaus zur Verfügung zu stellen“, betont Gomig. Die Stelle wird ausgeschrieben, Start soll im Juni sein. „Die Geschäftsführung wird jeweils halbtags für Aguntu­m und den Verein tätig sein“, erklärt Gomig.

Was in Aguntum für Besucher kaum sichtbar ist, aber sehr viel Geld verschlingt, sind die laufend notwendigen Mauersanierungen. 2013 wurde in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt, dem Land Tirol und der Uni Innsbruck ein Prioritätenplan für die Sanierung der Ruinen erstellt. Die Kosten für die Arbeiten der höchsten Dringlichkeitsstufe wurden damals mit 800.000 Euro veranschlagt. „In den vergangenen fünf Jahren konnte die Hälfte dieser Sanierungen abgeschlossen werden und der Kostenrahmen von 400.000 Euro sogar um 60.000 Euro unterschritten werden“, freut sich Gomig. In den kommenden fünf Jahren sollen nun die verbleibenden Maßnahmen der Dringlichkeitsstufe 1 erfolgen. „Es gibt bereits die Zusage, dass die Landesgedächtnisstiftung die Hälfte der Kosten übernimmt.“ Der Beschluss für die Restfinanzierung durch das Bundesdenkmalamt stehe noch aus, die Bereitstellung sei aber in Aussicht gestellt worden, ergänzt Leo Gomig.