Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.03.2018


Innsbruck

Pink gestickte Botschaften zum Frauentag

© tiroler künstlerschaft



60 Stunden haben Katharina Cibulka und eine mit ihr befreundete Künstlerin rund 80 Quadratmeter der riesigen Staubschutzplane bestickt, mit der ein im Bau befindliches Wohnhaus der Innsbrucker Immobilien Gesellschaft in der Bienerstraße umhüllt ist. Die Buchstaben, mit denen der Satz „Solange Macht dazu verführt, Frauen zu missbrauchen, bin ich Feministin" geschrieben ist, sind 76 Zentimeter hoch und aus pinkem Tüll im klassischen Kreuzstichmuster gearbeitet. Was so manche neugierigen Fußgänger zum Stehenbleiben animiert bzw. nicht wenige Autofahrer eine neuerliche Runde drehen lässt, um ganz genau zu sehen, was da steht, um das Gelesene vielleicht per Facebook zu kommentieren.

Passend zum morgigen Frauentag geht es in dem fünfteiligen Projekt von Katharina Cibulka um Fragen des Feminismus, reflektiert aus verschiedenen Perspektiven. Wobei sich die Künstlerin ganz bewusst der Stickerei als traditionell weiblich besetztes Medium bedient. Und dass das an einem typisch männlich konnotierten Ort, nämlich einer Baustelle, passiert, ist auch kein Zufall.

Jeder der Sätze, die Cibulka in den kommenden Monaten im öffentlichen Raum platziert — den zweiten bereits morgen in Landeck —, beginnt mit dem Wort „Solange" und thematisiert gesellschaftspolitisch so wichtige Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sexuelle Belästigung, (un-)gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, Macht und Geschlechterdiskriminierung, die durch die aktuelle #MeToo-Debatte in aller Munde sind.

Cibulka hat ihr Projekt allerdings schon lange davor bei der Kunst-am-Bau-Aktion des Landes 2016 eingereicht. Zwei Monate sollen die Slogans jeweils hängen, um im besten Fall an eine andere Baustelle weiterzuwandern. (schlo)




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