Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.03.2018


Kunst

„Innsbruck International“: Vom Ich zum Kollektiv

Die diesjährige „Innsbruck International“ nähert sich in ihrer interdisziplinären Ausrichtung der angestrebten Internationalität.

© WEST.Fotostudio



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Die einzige Biennale Österreichs findet mit der „Innsbruck International“ in Tirol statt. Das ist schon mal eine Ansage. Mit viel Selbstbewusstsein tritt die inzwischen dritte Ausgabe, zum ersten Mal ging die Biennale 2013 über die Bühne, auch 2018 an: Mit 17 Locations, 27 Künstlern und 16 Tagen Laufzeit konfrontiert das Kuratorenteam rund um Tereza Kotyk all jene, die sich auf zeitgenössische Kunst einlassen wollen. Oder müssen. Denn unter dem Motto „Agents of So­cial Change“ werden historisch besetzte Schauplätze der Stadt (etwa die Hofburg, der Musikpavillon im Hofgarten, das Schloss Büchsenhausen, die Galerie A4, die Neue Galerie, ja selbst der Swarovski Store in der Altstadt), aber auch der öffentliche Raum selbst mit zeitgenössischer Kunst bespielt.

Besonders hervorstreichen lässt sich in diesem Jahr der performative Aspekt vieler Programmpunkte, der sich wohl aus dem Interesse der Filmemacherin Kotyk herleiten lässt. Mit Performances, Workshops, aber auch der Nähe zum Theater (etwa in Kooperationen mit Osterfestival, Vorbrenner18) soll laut Kotyk eine gewisse Starrheit des Zeitgeists aufgebrochen werden.

Mit im Boot ist in diesem Jahr auch der ehemalige stellvertretende Taxispalais-Direktor Jürgen Tabor, der einen Input mit interessanten Positionen aus der bildenden Kunst mit einbringt. Unter ihnen etwa der Tiroler Oliver Laric, der dem sozialpolitischen Aspekt der Monumentalporträts der von Maria Theresia neu begründeten Familiendynastie im Riesensaal der Hofburg nachgeht und mit drei eigenen Arbeiten die Frage nach der Funktion des Bildes heute stellt.

Weitere Mitspieler im Organisationsteam sind Musikkurator Christian Glatz und Gastkurator Chris Clarke. Letztgenannter bespielt die Neue Galerie mit Werken der Künstlerinnen Melanie Bonajo und Marge Monko. Einen besonderen Zugang zur Gegenwart offenbart „Special Recognition Award“-Preisträgerin Addie Wagenknecht, deren Arbeiten in der Galerie A4 gezeigt werden. Sie setzt sich vor allem mit dem Thema Überwachung im digitalen Zeitalter auseinander. Ein Luster aus Überwachungskameras etwa versinnbildlicht die asymmetrische Beziehung („Asymmetric Love“ lautet der Titel der Arbeit) zwischen Beobachter und Beobachtetem.

Auch wenn viele Ansätze überraschen, etwa die Intervention im öffentlichen Raum der Altstadt mit Flaggen von Chosil Kil, ebenso wie die umfassende Einbindung heimischer Institutionen und Festivals im Programm, erinnert einiges an 2016: So wird der Universitätsvorplatz mit dem „Garten“ von Lois Weinberger wie schon vor zwei Jahren zum Schauplatz erkoren.

Standen bei der letzten Ausgabe der Biennale thematisch das Individuum und die Selbstsuche im Zentrum, so ist das Festival diesmal dem Kollektiv, der Findung einer gemeinsamen Sprache gewidmet. Ein Ansatz, der mit dem Anspruch der Internationalität noch stärker einhergeht. Der soziale Wandel betrifft schließlich uns alle. Ob alle Orte zu besagten „Agenten eines sozialen Wandels“ werden, müssen Biennalebesucher selbst herausfinden. Jedenfalls provoziert das Sich-Einlassen auf zeitgenössische Kunst einen Dialog, der den historischen Stätten Tirols sicher guttut.




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