Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.03.2018


Kunst

Strategien gegen das Vergessen

Die große Frage, was der Tod im Leben bedeutet, stellt eine neue Schau im Schwazer Museum der Völker.

© museum der völker



Von Edith Schlocker

Schwaz – Das Museum der Völker, wie es sich dessen neue Leiterin Lisa Noggler-Gürtler vorstellt, nimmt langsam Formen an. Geht es ihr doch um die Veränderung des Blicks, mit dem wir auf das Eigene und das Fremde hinschauen. Was sich nicht in der Präsentation für uns exotischer fremder Kulturen erschöpfen darf, sondern in einem spannenden Vergleich der Kulturen der Welt stattfinden soll. „Die Schubladen müssen beweglich sein“, sagt Lisa Noggler-Gürtler, um bewusst zu machen, dass die ganz großen Fragen für alle Menschen so ziemlich die gleichen sind, das Fremde letztlich viel weniger fremd ist, als wir manchmal glauben.

Was schön die neue Sonderausstellung „Unvergessen machen“ vorführt, in der es um den Umgang mit dem Tod geht. Die Frage gestellt wird, was der Tod im Leben bedeutet, dem größten Mysterium für uns Lebende und gleichzeitig die einzige absolute Sicherheit.

Demonstriert in der Schau anhand von Beispielen aus archaischen afrikanischen, ostasiatischen und tirolischen Totenkulten. Zur Bestückung musste Lisa Noggler-Gürtler nicht lange in den auf Museumsgründer Gert Chesi zurückgehenden Beständen „ihres“ Hauses stöbern, die durch Leihgaben aus dem Tiroler Volkskunstmuseum und einer Schweizer Privatsammlung ergänzt werden.

Der Umgang der Lebenden mit dem Tod spiegelt sich am besten in den jeweiligen Begräbnisritualen wider. Die formal zwar ganz unterschiedlich daherkommen, letztlich aber fast immer damit zu tun haben, dass ein Mensch erst dann wirklich tot ist, wenn niemand mehr an ihn denkt. Und um das zu verhindern, gibt es die unterschiedlichsten Methoden. Angefangen von den bei uns seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts üblichen Totenbildchen und Marterl bis zu den bis zu 100 Seiten umfassenden Begräbnisbroschüren im südlichen Ghana. Für das Volk der Ga bedeutet der Tod wiederum die Initiation in eine neue Form des Daseins. Um die Geister der Verstorbenen gnädig zu stimmen, werden ihnen pompöse figürliche Särge gebaut, die mit ihrer gesellschaftlichen Position im Leben zu tun haben.

Für die indonesischen Roraja ist der Tod dagegen ein sich oft über Wochen hinziehender Prozess. Wobei die oft aufwändig geschnitzten Särge ganz ähnlich wie ihre Häuser sozusagen als Häuser für den Tod gestaltet sind.

Zur Unterstützung von Lisa Noggler-Gürtler ist inzwischen im Museum der Völker ein fünfköpfiger wissenschaftlicher Beirat installiert.




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