Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.05.2018


Biennale 2019

One-Woman-Show für den Österreichpavillon

Österreich schickt Renate Bertlmann 2019 zur Kunstbiennale von Venedig.

© APA/HochmuthWar über ihre Nominierung als offizielle österreichische Biennale-Künstlerin sehr überrascht: Renate Bertlmann.



Wien – Nichts gegen Erwin Wurm. Als im vergangenen Jahr allerdings er sich mit Brigitt­e Kowanz den Österreichpavillon bei der venezianischen Kunstbiennale teilen musste, machte sich nicht nur unter Feministinnen der Unmut darüber breit, dass noch nie in der 125-jährigen Geschichte dieses internationalen Kunstparcours eine Frau offensichtlich für würdig befunden wurde, den Hoffmann’schen allein zu bespielen.

Im kommenden Jahr ist es endlich so weit. Wie Felicitas Thun-Hohenstein, die Kuratorin des Österreichpavillons, gestern bekannt gab, wird die „Feministin und Pionierin der Performancekunst“ Renat­e Bertlmann in Venedig eine One-Woman-Show zelebrieren. Eine Einladung, über die die 75-jährige Wienerin, die an der Wiener Akademie der bildenden Künste sowie in Oxford studiert hat, zunächst „sehr überrascht gewesen“ ist. Was nach Jahrzehnten, in denen ihre provokante, besonders Männer oft verunsichernde Kunst, nur einem kleinen Kreis von Insidern bekannt war, eine schöne Genugtuung sein dürfte. Als Ausdruck offizieller Akzeptanz, die sich bereits im vergangenen Jahr mit der Vergabe des Großen Österreichischen Staatspreises an sie angebahnt hat.

Dass das so ist, habe damit zu tun, dass sie die „Kraft hatte, durchzuhalten“, so Renate Bertlmann. Dem Bachmann-Zitat „Die Darstellung verlangt Radikalisierung und kommt aus Nötigung“ will die Künstlerin bei ihrem Venedig-Auftritt gerecht werden. Was genau den Biennale-Besucher erwarten wird, ist naturgemäß noch streng geheim. Dass er laut Thun-Hohenstein der „Ästhetik des Riskanten“ verpflichtet sein wird, überrascht den, der die Kunst Bertlmanns kennt, allerdings keineswegs. Die schwer schubladisierbar, nie bequem, oft verstörend ist, um im Performativen genauso in der Zeichnung, der Skulptur, der Fotografie, in Filmen und Texten Fragen stellende Erfahrungs- und Denkräume zu eröffnen.

Bei der gestrigen Vorstellung von Renate Bertlmann als offizielle Vertreterin Österreichs bei der venezianischen Biennale zeigte sich Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) neugierig auf die angekündigten Provokationen, um sich zu fragen, „wie sehr man das heute als Künstler überhaupt noch kann“. Das um 50.000 Euro erhöhte Budget beträgt 450.000 Euro, laut Thun-Hohenstein werden noch rund 260.000 Euro von privaten Sponsoren benötigt, um das Projekt umzusetzen.

Die Kunstbiennale wird am 11. Mai des kommenden Jahres eröffnet, die venezianische Architekturbiennale bereits am heurigen 26. Mai und läuft bis 25. November. Kommissärin des Österreich-Auftritts ist hier Verena Konrad, die Direktorin des Vorarlberger Architekturinstituts (vai). Beim Umkreisen des gestellten Themas „Thoughts Form Matter“ ist Tirol mit dem in Wien arbeitenden Tiroler Architektenduo Henke Schreieck und dem Innsbrucker Architekturbüro LAAC gewichtig mit dabei. Ergänzt durch das New Yorker Designerduo Sagmeister & Walsh. (APA, schlo)