Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.05.2018


Innsbruck

Das sichtbar Wirkliche farbig delikat onduliert

Mit Jean Egger präsentiert die Innsbrucker Galerie Maier einen ihrer Lieblingskünstler. Umstellt mit hölzernen Objekten von Walter Trampusch.

© maier, trampusch, watzekSeine langjährige schwedische Lebensgefährtin Signe Wallin hat Jean Egger unzählige Male gemalt und gezeichnet.Foto: Galerie Maiere



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Mina und ihr leider vor drei Jahren verstorbener Mann Josef Maier haben jahrelang ihre Urlaube dort verbracht, wo Jean Egger (1897–1934) ehemals gelebt hat. Um auf unzähligen Dachböden und Abstellkammern in ganz Europa, besonders aber auf Mallorca, wo der Künstler viele Jahre lang gelebt hat, bisher unbekannte Gemälde und Zeichnungen des gebürtigen Kärntners aufzustöbern und immer wieder in ihrer Innsbrucker Galerie zu präsentieren.

Entdeckt haben die Maiers Jean Egger Anfang der 70er-Jahre bei einem Besuch im Tiroler Landesmuseum, wo sie sich spontan in das dort hängende Bild Eggers verliebt haben, was sie in der Folge Sonntag für Sonntag zu diesem pilgern ließ. Inzwischen umfasst die Sammlung Maier rund 120 Arbeiten aus diversen Schaffensperioden Eggers.

31 davon sind in der aktuellen Ausstellung der Galerie Maier zu sehen – und haben. Die zwischen 1918 und 1933 entstandenen Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen sind das Vermächtnis eines Frühvollendeten, dessen einzigartige Handschrift auf einen ersten Blick erkennbar ist. Einen „ondulierenden Farb- und Strichrhythmus“ nannte Matthias Boeckl in seiner Egger-Monografie treffend dessen Malweise, was diese so aufregend aufgewühlt, so wild und lebendig macht.

Landschaft und Mensch waren die zentralen Themen Jean Eggers. Besonders seine langjährige Gefährtin Signe hat er in unzähligen Bildern verewigt. Ihr Blick ist fast immer zutiefst melancholisch, die Ansicht frontal. Das Abbild- und das Sinnbildhafte hält sich in diesen Menschenbildern wunderschön die Waage. Dominiert von Farben, die mit mehr oder weniger expressivem Duktus das Konkrete beschreiben. Wobei diese Farbigkeit eine komplett autonome ist, gehorchend rein malerischen Prinzipien. Hier outet sich Jean Egger, der an der Münchner Akademie bei Carl Johann Becker-Gundahl, einem der Mitbegründer der Münchner Sezession, studiert hat, ganz als Kind seiner Zeit. Als Zeitgenosse eines Wassily Kandinsky, eines Chaim Soutine, eines Kees van Dongen.

In den USA mit seiner Kunst Fuß zu fassen, ist Jean Egger nicht gelungen, in Paris, wo er seit 1924 gelebt hat, allerdings sehr wohl. Mehrmals war er beim „Salon des Tuileries“, der bedeutendsten alljährlichen Ausstellung der Stadt, mit dabei. Wenig freundlich wurde dagegen seine Personale in der Wiener Galerie Würthle 1931 etwa von Arthur Rössler, dem einflussreichen Förderer Egon Schieles, aufgenommen, wenn er Eggers Malerei als „Salonfeuerwerke“ bezeichnet.

Neben den Porträts und akademisch soliden Aktzeichnungen zeigt die Galerie Maier auch flirrende, in delikater Farbigkeit zelebrierte Landschaften und Aquarelle, in denen das Reale zu einem in der Fläche ausgebreiteten Gewirr farbiger Linien ausgebreitet ist.

Einen schönen Kontrast zur Kunst Jean Eggers bilden die aus Eichenholz gedrechselten Gefäße des gelernten Tiroler Tischlers Walter Trampusch. Sie sind extrem dünnwandig und letztlich skulpturale Objekte. Die bis zu 1,60 Meter hoch sein können, wobei die letztendlich gültige Form immer die Natur vorgibt. Indem sie sich leicht krümmen, rund um die Astlöcher kleine Beulen oder Löcher bekommen.