Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.05.2018


Osttirol

Taistens Blick in den Himmel

Das Museum Schloss Bruck widmet dem Schaffen des Malers Simon von Taisten eine Sonderausstellung. Im Mittelpunkt stehen seine Fresken in der Schlosskapelle.

© DI Wolfgang C RetterDas Schmuckstück auf Schloss Bruck ist die Schlosskapelle mit Simon von Taistens Fresken.



Lienz – Leonhard von Görz und Paola Gonzaga haben für die Neuausmalung ihrer Kapelle auf Schloss Bruck im Jahr 1490 einen weitum bekannten Maler aus dem Pustertal beauftragt. „Die Künstlerfigur des Simon von Taisten gehört zu den faszinierenden Gestalten des ausgehenden Mittelalters in Tirol“, befindet heute Leo Andergassen, Kunsthistoriker und Leiter des Südtiroler Landesmuseums auf Schloss Tirol. Die Fresken der Kapelle von Schloss Bruck zählen zu den besterhaltenen und künstlerisch wertvollsten Werken Simon von Taistens, der auch die Fresken in Obermauern hinterlassen hat.

Museumsleiterin Silvia Ebner berichtet, dass Maler zu der Zeit eigentlich mindestens so viel Handwerker wie Künstler waren und ihre Arbeit auch wesentlich als Handwerk verstanden.

So war Simon in späteren Jahren der Leiter einer gut gehenden Malerwerkstatt, die von seinem Heimatort Taisten aus das Pustertal und Oberkärnten belieferte – jene Gebiete also, die bis 1500 zur vorderen Grafschaft Görz gehörten. Simon führte ein Gefolge von Maurern, Vergoldern und Malergehilfen. Im Sommer wurden im weiten Umkreis Sakralbauten innen und außen gestaltet, im Winter entstanden in der Werkstätte neue Entwürfe, Altäre oder Tafelbilder auf Holz. Daneben gehörten weltliche Aufträge wie Dekorationsmalerei für Fahnen, Schilder, Türen oder Möbel zum täglichen Wirken.

Die Stadt Lienz lädt am Freitag, den 18. Mai, um 19 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung „Mal mir den Himmel – Simon von Taisten auf Schloss Bruck“, die bis zum Staatsfeiertag täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr geöffnet wird. Kurator Leo Andergassen wird zur Eröffnung zu Simon von Taisten sprechen. Im Mittelpunkt der Sonderausstellung stehen die Fresken des Malers in der Schlosskapelle, wohl der Perle der Görzer Residenzburg, wie es in einer Aussendung des Museums heißt. In dem mittelalterlichen Sakralbau lassen sich über eine interaktive Station Informationen abrufen. (TT, bcp)

Restauratorin und Kuratorin Renata Burszan bei der Arbeit.
- Renata Burszan