Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.05.2018


Tiroler Landesmuseen

„An den Grenzen des Musealen“

Nach dem Fahrrad und der Musik widmen sich die Tiroler Landesmuseen im Volkskunstmuseum dem Feuer.

© Wolfgang LacknerReligiöse Motive und profane Objekte. Das Volkskunstmuseum erkundet die Vielfalt der Perspektiven in der Kulturgeschichte des Feuers



Innsbruck – Dass wir Menschen das Feuer (weitestgehend) kontrollieren können, unterscheidet uns von anderen Lebewesen. Feuer als Motiv ist Teil unserer Religion und unseres Brauchtums. Genug der Gründe für das Tiroler Volkskunstmuseum, eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Feuers zu veranstalten. Kuratiert von Museumsleiter Karl C. Berger und Anna Engl eröffnete die Schau gestern im zweiten Obergeschoß des Hauses.

Das Kuratorenteam wählte aus den reichen Sammlungsbeständen der Tiroler Landesmuseen aus, griff auf einige Leihgaben zurück und gruppierte schlussendlich nach Themenfeldern: von mythologischen Ursprüngen des Feuermotivs über die Verwendung im religiösen Kontext hin zu profanen Objekten, Hilfsmittel von Menschen, die sich das Feuer zunutze machten. Eröffnet wird die Schau etwa mit dem antiken Mithras-Kult und führt über Motive des Fegefeuers oder des brennenden Dornbuschs zur christlich-jüdischen Kultur. Über Bilder und einen historischen Augenzeugenbericht der Neuen Hofburg 1728 gelingt der Konnex zu Alltagsobjekten wie Talgleuchten oder der Innsbrucker Feuerordnung von 1642. Der Feuerkult rund um das Herz-Jesu-Fest greift am Ende des Rundgangs außerdem einen politischen Aspekt in Tirol auf.

Zusammengehalten wird der zyklische Rundgang durch die Ausstellungsarchitektur von Sonja Mitterer und Barbara Lanz, die ebenso das Motiv des Feuers zur Vorlage nimmt. Diese Art der Herangehensweise (siehe aktuelle Schauen im Ferdinandeum und im Zeughaus) ist man in den Tiroler Landesmuseen inzwischen gewohnt, da überrascht auch das atmosphärisch prasselnde Feuer, das aus den Lautsprechern tönt, nicht mehr. Trotzdem gelingt das Konzept: „Das Feuer bringt uns an die Grenzen des Musealen, kein Museum der Welt hat loderndes Feuer im Bestand“, meint Kurator Berger. Der Zugang erfolgt also über historische Objekte – die im Falle dieser Schau als Auswahl weniger, dafür aber exemplarischer Beispiele erfolgte. Auch die Themenbereiche funktionieren in ihrer Abfolge und geben auf knappem Raum einen guten Einblick in die Vielfalt des Themas. Nicht zu vergessen ist die Begleitpublikation, die die Exponate in eine tiefgehende theoretische Abhandlung einwebt. (bunt)