Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.05.2018


Kunst

Fünfmal Konzeptuelles

© Johannes PlattnerIn der Galerie Kugler: „Linee orizzontali“, 1976 von Giorgio Griffa in Öl auf Leinwand gemalt.



Innsbruck – Holger Endres ist einer jener Künstler, die immer wieder in der Galerie Kugler ausstellen. Um diesmal allerdings nicht nur eigene neue Arbeiten zu zeigen, sondern sie mit solchen von vier Künstlern zu konfrontieren, die er besonders schätzt. Was alle fünf verbindet, ist ihr konzeptueller Ansatz, wobei ihr Umgang mit Materialien und malerischen Prozessen ganz unterschiedlich ist.

Aber gerade diese Kontroversen sind es, die die Schau sehenswert machen. Wenn da zwei kleine, ganz kontrolliert von minimalen Setzungen in Grau und Weiß dominierte Bilder von Holger Endres neben einem in wildem Gestus in kräftigem Violett gemalten Großformat von Hans Peter Thomas Aka Bara hängt. In Nachbarschaft einer Wandarbeit von Johannes Esper in Ton. Die Spuren seiner Finger, die das Kneten in dem noch weichen Material hinterlassen hat, verpassen dem Objekt die Anmutung des Amorphen, lassen es fast wie ein Stück geronnene Lava daherkommen.

Mit ihren Fingerabdrücken modelliert auch Myriam Holme ihre nicht mit Farbe, sondern mit Seife „gemalten“ Bilder. Bei den Rissen, die sich beim Trocknen bilden, spielt der Zufall eine gewisse Rolle, den die Künstlerin zulässt, indem sie die Spuren mit schwarzer Tusche umschreibt. Bereits 40 Jahre alt ist das in der Schau hängende Tuch Giorgio Griffas. Dass es lange gefaltet war, sieht man ihm an. Die Falten werden zur grafischen Struktur, kontrastierend zur seriell angelegten Malerei im oberen Drittel der Leinwand. (schlo)




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