Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.05.2018


Kunst

Mit dem Rad in eine neue Zukunft

Der Fotograf Franz Oss hat die „Tour of Ruanda“ begleitet und zeigt das kleinste afrikanische Land von seiner besten Seite.

© Franz OssDie Fotos von Franz Oss können käuflich erworben werden.



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Für den europäischen Blick wirken die Aufnahmen des Tiroler Fotografen Franz Oss, die derzeit in der Hypo Tirol Bank ausgestellt sind, befremdlich und nahezu surrealistisch. Viele hundert Zuschauer der Radsportveranstaltung „Tour of Ruanda 2017“ stehen in einem Rohbau, ohne Geländer oder Absperrgitter. An Sicherheitsvorkehrungen scheint in diesem Moment, der in der Stadt Gisenyi am Kiwusee fotografisch eingefangen wurde, niemand zu denken. Hauptsache, die eintreffenden Rennfahrer, auch das „Tirol Cycling Team“, werden von der improvisierten Tribüne aus ordentlich gefeiert. Oss hat hier einen Moment mit besonderer Ausstrahlung eingefangen: Die Menschenmenge wirkt angespannt, aber friedlich. Friede ist ein Wort, das man intuitiv nicht mit dem afrikanischen Land Ruanda verbindet, viel eher kehren die entsetzlichen Erinnerungen an den Genozid vor mittlerweile vierundzwanzig Jahren ins Gedächtnis zurück, mit dem das kleinste Land Afrikas traurige Berühmtheit erlangte.

Die Fotografien von Franz Oss sind wohl gerade deshalb ein ermutigender Beweis dafür, dass sich in Ruanda in den vergangenen Jahren vieles zum Guten gewandelt hat. Rigorose Umweltschutzmaßnahmen tragen zur landschaftlichen Schönheit bei. „Der Nachholbedarf im Bereich der Infrastruktur ist hingegen nach wie vor groß, deshalb ist das Rad das wichtigste Fortbewegungsmittel“, erklärt der Tiroler Team-Manager Thomas Pupp. Dieses Defizit bringt große Chancen für den Radsport und hat schon Profis, wie Valens Ndayisenga, den Sieger der „Tour of Ruanda 2017“, hervorgebracht. Es geht also aufwärts, auch touristisch, denn Ruanda ist mit seinen „1000 Hügeln“ ein attraktives Land für Radsportfans. Deshalb tritt Ruanda auch als offizieller Tourismus-Partner für den Fußball-Premier-Ligisten Arsenal in London auf.

Franz Oss’ Fotos sind mehr als eine rein sportliche Dokumentation. Sie bringen die verloren geglaubte Energie Ruandas ans Licht und leisten auch einen sozialen Beitrag: Der Reinerlös aus dem Verkauf der Bilder soll ein Stipendium für zwei junge Radler aus Ruanda finanzieren, die etwa drei Monate lang das „Tirol Cycling Team“ verstärken werden.

Der Reinerlös aus dem Verkauf der Bilder soll ein Stipendium für zwei junge Rennfahrer aus Ruanda finanzieren.
- Franz Oss



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