Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.06.2018


Ausstellung

Christine Piberhofer: Es liegt etwas in der schwülen Luft

© r. g. wett



Christine Piberhofer ist eine Frau, die mit sehr offenen Augen durch die Welt geht. Um diese — gefiltert durch ihre Kunst — durch eine ganz spezielle Brille zu sehen. Ausstellungen der Innsbruckerin sind eine höchst rare Angelegenheit und so sollte man nicht versäumen, sich die Bilder neueren und älteren Datums, die sie bei styleconception zeigt, anzuschauen.

Sie kommen auf einen ersten Blick in ihrer Flächigkeit sehr plakativ, fast dekorativ daher. Was ein wunderbares Lockmittel ist, um den Betrachter in die Bildfalle zu locken, ihn, ohne dass dieser es merkt, zu zwingen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn unter der schönen Oberfläche lauert durchaus politisch Brisantes. So sind die von ihr gemalten Schwimmerinnen nicht etwa noble Urlauberinnen am venezianischen Lido, lassen die Rettungsringe, an die sie sich klammern, doch vermuten, dass es hier ums nackte Überleben geht. In anderen, teilweise mehrteiligen Bildern, stürmt es, die malerisch opulent zelebrierte Dramatik ist aber doppelbödig aufgeladen. Es ist gewittrig, schwül, es liegt etwas in der Luft.

Christine Piberhofers Blick auf die Welt passiert aus ex­tremen Blickwinkeln, was das Reale zu Zeichen reduziert, die von einem feinen, der Wirklichkeit oft sehr fernen Kolorit überzogen sind. (schlo)