Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.06.2018


“Museum Wattens“

Museum als Wunderkammer und „Labor“

Mit einem modernen Konzept soll das „Museum Wattens“ ab Oktober für neue Impulse im Ortskern sorgen.

© DomanigWährend das äußere Erscheinungsbild des "Neidharthauses" erhalten blieb, geht man innen neue Wege.



Wattens – Den Ortskern zu attraktivieren und zu beleben – so lautet ein Kernziel der „Vision Wattens“, des Masterplans für die künftige Entwicklung der Marktgemeinde. Als „ganz wesentlichen Schritt“ sieht BM Thomas Oberbeirsteiner dabei das neue „Museum Wattens“ im zentral gelegenen Neidharthaus, das im Oktober eröffnen soll. Die Arbeiten im Gebäudeinneren laufen derzeit auf Hochtouren.

Wer an ein typisches Heimatmuseum voll verstaubter Vitrinen denkt, liegt völlig falsch: Mit dem vom bekannten deutschen Museumsgestalter HG Merz entwickelten Konzept wolle man die Orts- und Industriegeschichte vielmehr auf eine Weise erzählen, „die neu und spannend ist, für Einheimische und Gäste“, betont Oberbeirsteiner. Die Gemeinde investiert insgesamt 4,3 Mio. Euro. Dabei wird man eng mit den Swarovski Kristallwelten kooperieren, auch beim Ticketing. „Wir wollen den Besuchern in Wattens gemeinsam ein zusätzliches Angebot bereitstellen.“

BM Thomas Oberbeirsteiner vor der künftigen "Wunderkammer", die sich über alle Stockwerke erstreckt.
- Domanig

Der Eingangsbereich im Erdgeschoß wird einen Infopoint des TVB und einen Shopbereich umfassen. Und dann geht es auch schon hinein in den „Prolog“ des Museums, der gleich einiges über den Ort erzählen soll – mit einem Modell von Wattens und Videostreams mit Zeitzeugen. Auch das zentrale Element des Museums ist sofort zu sehen – die „Wunderkammer“, ein acht Meter langer Glasquader, der vom Erdgeschoß bis in den zweiten Stock reicht und ganz besondere Objekte beherbergen soll: vom Kristallluster aus dem James-Bond-Film über die glitzernden Opernball-Krönchen bis hin zur ersten Chabeso-Flasche oder dem ältesten in der Papierfabrik Wattens hergestellten Papier.

Im ersten Obergeschoß folgen neun Stationen mit „Kalendergeschichten“ zu Stichworten wie „Suche“ (dabei geht es um die reiche archäologische Geschichte von Wattens), „Zugehörigkeit“ (Thema ist hier das aktive Vereinsleben) oder „Sehnsucht“: Hierfür wird etwa ein Fremdenzimmer von anno dazumal nachgebaut, mit Bett, Schrank und mehr. An jeder Station gibt es Sitzgelegenheiten und eigens abgestimmte Beschallung. „Die Besucher sollen Geschichte mit allen Sinnen erleben“, so Oberbeirsteiner.

Das zweite Obergeschoß soll dann, als flexibel bespielbares „Laboratorium“, für die nötige Dynamik im Museum sorgen: In verschiebbaren Regalen können weitere Objekte präsentiert werden, auch in Form von Sonderausstellungen. Zugleich soll eine aktive Auseinandersetzung mit Geschichte forciert werden, etwa in Kooperation mit der Uni Innsbruck oder den Schulen. Darüber hinaus sind die Räume als Ausstellungsfläche für hiesige Künstler und Vereine sowie für Lesungen, Vorträge und Konzerte gedacht. (md)




Kommentieren


Schlagworte