Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.06.2018


Ausstellung

Ein Ding, das jeden angeht

„Drive Drove Driven“ im Innsbrucker FO.KU.S: das Auto als Kultobjekt und Umweltkiller.

© fokus/weissMaurice Weiss: „La bourgeoisie voyage“, 2006.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Dass sich die passionierte Radfahrerin Barbara Psenner ausgerechnet mit einer Ausstellung über das Auto als langjährige Programm-Macherin des FO.KU.S verabschiedet, verwundert doch einigermaßen. Doch das Auto sei ein Faktum, sagt Psenner, etwas, das jeden angeht. Es ist Lust-, Hass- genauso wie Kultobjekt und Umweltkiller, auf alle Fälle das meistfotografierte Ding der Welt. In der vom Berliner Matthias Harder für die Ausstellung „Drive Drove Driven“ für Omaha in Nebraska kuratierten und für Innsbruck adap­tierten Schau wird das Auto zum Thema von 22 Fotokünstlern. Zur Projektions­fläche für die aktuelle Verfasstheit der Welt, zur Metapher des Wandels.

Wobei die Annäherung auf völlig unterschiedliche Art und Weise passiert. In den Nachtbildern von Nikolaus Schletterer hinterlässt das Auto etwa eine lange Lichtspur in der fast schwarzen Landschaft, bei Walter Niedermayr werden Autobahnbauten zu wuchtigen skulpturalen Interventionen in der Landschaft, um diese nachhaltig zu verändern, zu stören bzw. zu zerstören.

Sehr poetisch kommen dagegen die Bilder daher, die Jens Liebchen in L.A. aus dem fahrenden Auto heraus von hermetisch geschlossenen Häuserfassaden „geschossen“ hat. Ein Porsche entpuppt sich bei Bettina Winkhaus bei genauem Hinschauen als glamouröser Mistkübel, alte Ami-Schlitten holpern bei Josef Hoflehner über desolate Straßen, in Aris Georgious Bildern verleibt sich die Natur die Autos förmlich ein. In Las Vegas wird dagegen um sie gespielt, in der Wüste von Nebraska gibt es ein Stonehenge nachempfundenes „Carhenge“.

Marc Volk holt das Kultobjekt Auto vom Sockel, indem er es auf seine dreckschleudernden Auspuffe reduziert. Ob den chromglänzenden Oldtimern einer noblen Rallye im französischen Deauville irgend einmal das Schicksal blühen wird, zum kleinen Würfel gepresst auf einem großen Haufen zu landen, wie die Bilder von Jörn Vanhöfen vorführen, sei dahingestellt.