Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Tirol

Palfrader lässt Museumschef Meighörner fallen

Der Museumschef hatte in der TT Kritik am künftigen Kurs anklingen lassen. Land und Museumsverein lassen seinen Vertrag nun auslaufen.

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Von Markus Schramek

Innsbruck – Knalleffekt im Museumswesen: Der Chef der Tiroler Landesmuseen, Wolfgang Meighörner, ist auf dem Abstellgleis gelandet. Sein Vertrag, der Ende 2019 ausläuft, wird nun doch nicht verlängert. Das gaben Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) und die Obfrau des Vereins Tiroler Landesmuseum, Barbara Psenner, gestern Nachmittag bekannt. Grund: Das „Vertrauensverhältnis sowie die Kommunikationsbasis“ zu Meighörner „seien aufgrund jüngster Ereignisse nachhaltig geschädigt“.

Noch im Mai hatte Palfrader eine Doppelspitze für die Leitung der fünf Museen im Eigentum des Landes (Ferdinandeum, Zeughaus, Volkskunstmuseum, Hofkirche und Tirol Panorama) angekündigt. Meighörners Vertrag sollte bis zu dessen Pensionsantritt 2023 verlängert und rasch ein zweiter Geschäftsführer installiert werden.

Meighörner (60), seit 2007 für die Museen alleinverantwortlich, hatte am Mittwoch im TT-Interview Kritik an der geplanten Doppelspitze anklingen lassen. Für ihn sei es auch vorstellbar, die Geschäfte weiterhin alleine zu führen, hatte Meighörner erklärt. Er wolle sich aber nicht in einen „Krieg“ stürzen, den man nicht gewinnen könne. Ein zweiter Chef könne auch eine Verstärkung sein, vorausgesetzt, die Chemie zwischen ihm und dem Neuen passe.

Für Palfrader brachten Aussagen wie diese das Fass offenbar zum Überlaufen. „Meighörner hat das umzusetzen, was die Gesellschafter Land und Museumsverein ihm auftragen“, sagt die Landesrätin gegenüber der TT. Für die Umsetzung dieser Zielvorgaben „muss man brennen“, bei Meighörner vermisse sie „die nötige Begeisterung“. Daher werde nun ein Alleingeschäftsführer bzw. -geschäftsführerin für die Landesmuseen gesucht. Von Meighörner erwartet sich Palfrader, „dass dieser seinen Vertrag professionell bis Ende 2019 erfüllt“.

Damit wird die Zeit bis 2023 allmählich knapp. In diesem Jahr wird das Landesmuseum Ferdinandeum 200 Jahre alt. Es soll dafür baulich und inhaltlich umgestaltet werden.

Palfrader forciert eine Entwicklung in Richtung „Haus der Kunst“. Sie wünscht sich dafür einen Museumsfachmann (oder eine Fachfrau) mit den dafür nötigen Konzepten. „Natürlich wäre es gescheit, wenn der oder die Neue möglichst bald zu arbeiten beginnen könnte“, betont die Landesrätin.

Immer wieder habe es Auffassungsunterschiede mit Meighörner gegeben, sagt Palfrader. Der Münchner sei als Militärhistoriker „vielleicht nicht die Idealbesetzung“, um das Ferdinandeum in Sachen zeitgenössischer Kunst zu positionieren. „Meighörner war ein guter Verwalter, vielleicht aber zu wenig Gestalter“, meint Palfrader.

Meighörner wurde gestern von Palfrader über das Ende seiner Ära in Innsbruck informiert. Er wirkte völlig überrascht und enttäuscht. „So geht meine Zeit am Landesmuseum viel früher zu Ende als erwartet“, sagt er zur TT. Nie habe er eine solche Reaktion vonseiten der Museumsgesellschafter erwartet.