Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.06.2018


Kunst

Obsteigs Chronikteam startet mit Ausstellung

Die sieben Dorfchronisten wandeln auf den Spuren des Bildhauers Hermann Rieser. Für die Zukunft steht schon einiges auf dem Programm.

© DornDie Ausstellung im Stadl Schneggenhausen ist nur noch diesen Samstag und Sonntag zu besichtigen.Foto: Dorn



Von Agnes Dorn

Obsteig – Bisher war der im Jahr 1983 verstorbene Bildhauer der Bevölkerung wenig bekannt – obwohl er gerade in seiner Heimatgemeinde Obsteig überall sichtbare Spuren hinterlassen hat. Ein Grund dafür war vor allem, dass Hermann Rieser zeit seines Lebens Angst davor hatte, seine Invalidenrente zu verlieren, sollte er als Bildhauer allzu große Bekanntheit erlangen, wie sein Sohn und nunmehriger Ortschronist, Klaus Rieser, erklärt.

Die schwierige Informationslage war für die Schülerin Luzia Krug kein Hindernis, sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit mit dem Werk des Künstlers auseinanderzusetzen, wie sie bei der Vernissage im Stadl Schneggenhausen erklärte: „Anfangs wollten wir ein vollständiges Werkverzeichnis erstellen, aber im Laufe der Zeit ist unser Übermut immer stärker gebremst worden.“ Es gebe „wenige Aufzeichnungen über Rieser und auch die Chronologie ist schwer festzumachen, weil er seinen Stil zwar weiterentwickelte, aber immer wieder auch auf alte Techniken zurückgegriffen hat“. So beschränkten die beiden Schülerinnen Hannah Müller und Luzia Krug ihre Forschung schlussendlich auf die Erfassung und Darstellung der Hermann-Rieser-Werke in der Gemeinde Obsteig.

Noch heute ist das Dorfbild stark von dessen künstlerischem Schaffen geprägt, denn fast alle heute noch erhaltenen Brunnenfiguren stammen von Rieser, ebenso wie einige der Sgraffiti an Obsteiger Hauswänden. Viele Skulpturen in privaten Häusern sowie der Kirche, auf dem Friedhof und in den Kapellen und selbst das Obsteiger Gemeindewappen gehen auf Entwürfe des Künstlers zurück.

Die Ausstellung, für die die Auseinandersetzung der Schülerin mit dem Künstler den Impuls gab, wurde vom neu gegründeten Obsteiger Chronistenteam geplant und ausgerichtet. Auf Initiative von Sabine Ortner haben sich insgesamt sieben Personen zusammengefunden, um die Chronik von Obsteig weiter am Leben zu erhalten. Denn nach dem Tod des früheren Chronisten Hubert Stecher im Jahr 2015 war die Dokumentation des Dorfgeschehens ins Stocken geraten. „Wir wollen die Chronik wieder sichtbar machen und das kollektive Gedächtnis des Dorfes auch für Zugezogene greifbar werden lassen“, erklärt Ortner.

Von Seiten der Gemeinde wurde dem Chronistenteam ein Raum zur Verfügung gestellt, und in Zusammenarbeit mit dem Imster IT-Kolleg ist eine Webseite in Ausarbeitung. Die soll interaktiv auch der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, der Chronik Informationen und Bildmaterial zukommen zu lassen. Geplant sind außerdem eine jährliche Ausstellung sowie die Wiederaufnahme der Herausgabe eines Jahrbuchs, das die wichtigsten Ereignisse im Dorf beinhalten soll.

Dorfchronist Johannes Faimann hat schon einige weitere Ideen parat wie einen Mühlen-Sägen-Weg von Obsteig über Mieming nach Mötz. Derzeit führt er Zeitzeugengespräche, um die Erinnerung der ältesten Obsteiger für die Nachwelt zu erhalten. „Die Kunst ist die Kontinuität“, sieht er sich und seine Chronistenkollegen gefordert, auch weiterhin am Ball der vergangenen und gegenwärtigen Zeit zu bleiben.